Ein Pfeifen, Rauschen oder Summen, das niemand sonst hört: Ohrgeräusche sind sehr verbreitet und können stark belasten, besonders nachts und in ruhiger Umgebung. Wer im Netz nach Hilfe sucht, findet viele Angebote, darunter homöopathische Tinnitus-Globuli. Dieser Beitrag erklärt, wann Sie mit Ohrgeräuschen zum Arzt sollten, woran Sie einen Hörsturz erkennen und welche Behandlungen die ärztliche Leitlinie empfiehlt. Danach ordnen wir die homöopathische Lehre und die Studienlage ein. Am Ende geht es kurz um trockene Augen, nach denen viele Leser ebenfalls suchen.
Inhalt
- Was ist Tinnitus und wie häufig ist er?
- Wann sollten Sie mit Ohrgeräuschen zum HNO-Arzt?
- Welche Behandlungen sind bei chronischem Tinnitus belegt?
- Was lehrt die Homöopathie bei Ohrgeräuschen?
- Was zeigen Studien zu Globuli bei Tinnitus?
- Und was gilt bei trockenen Augen?
- Wo können Sie die Lehrmeinungen nachlesen?
- Häufige Fragen
- Quellen
Was ist Tinnitus und wie häufig ist er?
Tinnitus ist der Fachbegriff für Geräusche im Ohr oder Kopf, die keine äußere Schallquelle haben. Meist hört sie nur die betroffene Person (subjektiver Tinnitus). Laut einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, über die DocCheck berichtete, erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 10 Millionen Menschen an Ohrgeräuschen, bei rund 1,5 Millionen ist das Leiden chronisch.
Als chronisch gilt Tinnitus, wenn die Geräusche seit mindestens drei Monaten bestehen und belasten. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung danach richtet. Viele frische Ohrgeräusche, etwa nach einem lauten Konzert, verschwinden von selbst wieder. Bleiben sie, gewöhnen sich viele Betroffene mit der Zeit an das Geräusch, sodass es weniger stört.
Dieses homöopathische Mittel von WALA ist speziell auf die Unterstützung des Hörnervs ausgerichtet und verkörpert den klassischen homöopathischen Ansatz, den der Artikel beschreibt.
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Wann sollten Sie mit Ohrgeräuschen zum HNO-Arzt?
Lassen Sie neue Ohrgeräusche, die nicht innerhalb kurzer Zeit verschwinden, in der HNO-Praxis untersuchen. Dort wird geprüft, ob eine behandelbare Ursache vorliegt, etwa ein Ohrenschmalzpfropf, eine Mittelohrentzündung, eine Hörminderung oder Probleme mit Kiefer und Halswirbelsäule. Ein Hörtest gehört fast immer dazu. Ein Ohrgeräusch, das im Takt des Herzschlags pocht, sollten Sie ebenfalls ärztlich abklären lassen.
Woran erkennen Sie einen Hörsturz?
Das wichtigste Anzeichen eines Hörsturzes ist laut gesundheitsinformation.de ein plötzlicher Hörverlust, meist auf einem Ohr. Oft kommen Ohrgeräusche, Schwindel, ein Druck- oder Wattegefühl im Ohr oder eine Überempfindlichkeit gegen Geräusche hinzu. Für das Vorgehen gilt:
- Bei starkem oder belastendem Hörverlust, bei Schwindel oder einer bestehenden Ohrerkrankung wird eine Behandlung innerhalb von ein bis zwei Tagen empfohlen.
- Bei sehr starkem Schwindel gehen Sie noch am selben Tag zum Arzt.
- Bei geringem Hörverlust raten Ärzte oft, einige Tage abzuwarten. Fachleute schätzen, dass sich das Gehör bei 32 bis 65 von 100 Betroffenen ohne Behandlung erholt.
Schwindel zusammen mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen kann auf einen Schlaganfall hindeuten. Dann wählen Sie sofort den Notruf 112.
Welche Behandlungen sind bei chronischem Tinnitus belegt?
Die interdisziplinäre S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ wurde unter Federführung der HNO-Fachgesellschaft erarbeitet. Sie setzt nicht auf ein Mittel, das das Geräusch abschaltet, sondern darauf, die Belastung zu verringern:
| Ansatz | Einordnung laut Leitlinie |
|---|---|
| Tinnitus-Counselling | Diagnostik-gestützte Beratung und Aufklärung, Grundlage jeder Behandlung |
| Hörgeräte, Hörtherapie, Cochlea-Implantat | Belegte Optionen, wenn zusätzlich eine Hörminderung besteht |
| Kognitive Verhaltenstherapie | Maßgebliche unterstützende Behandlung |
| Selbsthilfegruppen | Klare Empfehlung |
| Apps, Notched Music, Magnet- und Stromstimulation | Nutzen nicht ausreichend belegt |
| Ginkgo, Zink, Melatonin, Betahistin, Cannabis und andere | Nicht empfohlen, teils wegen Nebenwirkungen |
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) verändert nicht das Geräusch, sondern den Umgang damit. Sie lernen, wie Aufmerksamkeit, Sorgen und Schlaf mit der Belastung zusammenhängen und wie Sie diesen Kreislauf unterbrechen. Medikamente gegen Schlafstörungen, Angst oder Depression können laut Leitlinie sinnvoll sein, wenn diese Erkrankungen zusätzlich bestehen. Wer schlecht schläft, findet allgemeine Hinweise im Beitrag Globuli bei Schlafstörungen.
Was lehrt die Homöopathie bei Ohrgeräuschen?
In der klassischen Homöopathie wird Tinnitus nach der Art des Geräuschs und den Begleitumständen eingeordnet, etwa ob es klingelt, rauscht oder summt und ob Schwindel oder Schwerhörigkeit dazukommen. In homöopathischen Nachschlagewerken werden traditionell Mittel wie China (Chinarinde), Chininum sulfuricum, Carbo vegetabilis oder Graphites genannt. Daneben gibt es Komplexmittel, die mehrere Ausgangsstoffe kombinieren und als Tinnitus-Präparate vermarktet werden. Eine Erklärung, was ein Komplexmittel ist, finden Sie im Glossar.
Diese Zuordnungen beruhen auf Überlieferung und Arzneimittelprüfungen, nicht auf Vergleichsstudien. Eine Potenz- oder Dosierempfehlung für Tinnitus geben wir nicht.
Was zeigen Studien zu Globuli bei Tinnitus?
Gut untersucht ist die Homöopathie bei Tinnitus nicht. Die bekannteste Studie ist eine britische Doppelblindstudie, in der ein homöopathisches Tinnitus-Präparat in der Potenz D60 mit Placebo verglichen wurde. Zwar bevorzugten 14 der 28 Teilnehmenden in Fragebögen das homöopathische Präparat, weder die Einschätzung der Lautstärke und Belastung noch die Hörmessungen zeigten aber eine bedeutsame Besserung.
Homöopathische Mittel gehören nicht zu den Behandlungen, die die S3-Leitlinie empfiehlt. Die australische Gesundheitsbehörde NHMRC fand für kein Gesundheitsproblem verlässliche Belege einer Wirkung über Placebo hinaus. Gerade bei Tinnitus ist eine Besserung aus anderen Gründen häufig: Frische Ohrgeräusche verschwinden oft von selbst, und viele Betroffene gewöhnen sich an das Geräusch. Eine Besserung nach Globuli ist deshalb kein Beleg für deren Wirkung. Mehr zu solchen Fehlerquellen lesen Sie unter Wie Globuli wirken und was die Wissenschaft weiß.
Und was gilt bei trockenen Augen?
Trockene Augen sind vor allem bei Bildschirmarbeit verbreitet. Die Pharmazeutische Zeitung berichtet unter Berufung auf den Berufsverband der Augenärzte, dass vier von fünf Menschen, die täglich mehrere Stunden am PC sitzen, Beschwerden des „Office-Eye-Syndroms“ haben. Normalerweise blinzeln wir etwa 10- bis 15-mal pro Minute, am Bildschirm nur etwa siebenmal. Der Tränenfilm verdunstet dann schneller, besonders in trockener Heizungsluft. Typisch sind Brennen, Jucken, Rötung, müde Augen und verschwommenes Sehen. Tränenersatzmittel aus der Apotheke können die Beschwerden mildern, ebenso bewusstes Blinzeln und Pausen vom Bildschirm.
In der Homöopathie wird bei gereizten, brennenden Augen traditionell Euphrasia (Augentrost) genannt, ein Wirksamkeitsnachweis fehlt. Bei Schmerzen, deutlicher Sehverschlechterung, starker Rötung oder Beschwerden, die trotz Tränenersatzmittel bleiben, gehen Sie in die augenärztliche Praxis.
Wo können Sie die Lehrmeinungen nachlesen?
Die homöopathischen Zuordnungen zu Alltagsbeschwerden finden Sie in Ratgeberbüchern gesammelt, etwa in diesem GU-Ratgeber aus der Reihe GU Alternativmedizin:
GU: Homöopathie – Alltagsbeschwerden
GU-Ratgeber zur homöopathischen Selbstbehandlung im Alltag.
- Verlag Gräfe und Unzer
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Der Ratgeber behandelt laut Verlag die homöopathische Selbstbehandlung im Alltag. Solche Bücher geben die Lehre wieder, nicht die Studienlage, und ersetzen keine HNO-Untersuchung. Wir haben das Buch nicht selbst ausprobiert. Weitere Titel vergleichen wir unter Homöopathie-Bücher, eine Übersicht weiterer Beschwerden finden Sie unter Homöopathie bei ….
Häufige Fragen
Geht Tinnitus von selbst wieder weg?
Frische Ohrgeräusche verschwinden häufig von selbst. Bleiben sie länger als drei Monate, spricht man von chronischem Tinnitus. Auch dann lässt die Belastung bei vielen mit der Zeit nach.
Wie schnell muss ich mit einem Hörsturz zum Arzt?
Bei starkem Hörverlust, Schwindel oder einer bestehenden Ohrerkrankung wird eine Behandlung innerhalb von ein bis zwei Tagen empfohlen, bei sehr starkem Schwindel noch am selben Tag.
Hilft Ginkgo bei Tinnitus?
Die S3-Leitlinie empfiehlt Ginkgo bei chronischem Tinnitus nicht, ebenso wenig Zink, Melatonin oder andere Nahrungsergänzungsmittel.
Sind Tinnitus-Globuli wirksam?
Ein Nachweis fehlt. In der bekanntesten placebokontrollierten Studie besserten sich weder die Beschwerden noch die Hörmessungen messbar.
Was bringt eine Verhaltenstherapie bei Tinnitus?
Sie verändert nicht das Geräusch, sondern den Umgang damit, und ist laut Leitlinie die maßgebliche unterstützende Behandlung bei chronischem Tinnitus.
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Quellen
- DocCheck: Chronischer Tinnitus – behandelst du richtig?, 29.10.2021 (Pressemitteilung der DGHNO-KHC zur S3-Leitlinie, Häufigkeit, Definition, Empfehlungen). doccheck.com
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Hörsturz (Anzeichen, Dringlichkeit, Erholung ohne Behandlung). gesundheitsinformation.de
- Simpson JJ, Donaldson I, Davies WE: Use of homeopathy in the treatment of tinnitus. Br J Audiol 1998. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Pharmazeutische Zeitung: Trockenes Auge – Hilfe für „Büro-Augen“, 22.02.2021 (Office-Eye-Syndrom, Blinzelrate, Beschwerden). pharmazeutische-zeitung.de
- NHMRC: Information paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, 2015. apo.org.au
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