Es beginnt oft mit einem leichten Ziehen, wenige Stunden später brennt jeder Gang zur Toilette. Eine akute Blasenentzündung ist bei Frauen sehr häufig und meist harmlos, aber sehr unangenehm. Viele möchten zunächst ohne Antibiotikum auskommen und stoßen dabei auf Globuli. Dieser Beitrag erklärt, was Sie bei den ersten Anzeichen selbst tun können, was die ärztliche Leitlinie heute empfiehlt und wann Sie zum Arzt gehen sollten. Am Ende ordnen wir knapp ein, welche Mittel die Homöopathie nennt. Ausführlich zum meistgenannten Mittel informiert der Beitrag Cantharis D6 und Blasenentzündung.
Inhalt
- Was ist eine akute Blasenentzündung?
- Was können Sie bei den ersten Anzeichen selbst tun?
- Was sagt die ärztliche Leitlinie zu Antibiotika und Schmerzmitteln?
- Wann müssen Sie mit einer Blasenentzündung zum Arzt?
- Welche Mittel nennt die Homöopathie bei Blasenentzündung?
- Wo können Sie sich über Homöopathie im Alltag informieren?
- Häufige Fragen
- Quellen
Was ist eine akute Blasenentzündung?
Bei einer Blasenentzündung, medizinisch Zystitis, ist die Schleimhaut der Harnblase entzündet. Meist steigen Darmbakterien über die Harnröhre in die Blase auf. Frauen sind wegen ihrer kürzeren Harnröhre deutlich häufiger betroffen als Männer. Typische Beschwerden sind laut der Patienteninformation des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ):
- häufiger, plötzlicher Harndrang, oft mit nur wenigen Tropfen,
- Brennen, Stechen oder Schmerzen beim Wasserlassen,
- manchmal ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Blut im Urin.
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden die unkomplizierte von der komplizierten Blasenentzündung. Als unkompliziert gilt sie bei nicht schwangeren Frauen ohne wesentliche Vorerkrankungen und ohne Fehlbildungen der Harnwege. Für diese Gruppe gelten die Selbsthilfe-Hinweise in diesem Beitrag. Bei Männern, Kindern, Schwangeren und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gehört jede Blasenentzündung ärztlich abgeklärt.
Was können Sie bei den ersten Anzeichen selbst tun?
Die ÄZQ-Patienteninformation nennt einfache Maßnahmen, die in der frühen Phase sinnvoll sind:
- Viel trinken: etwa 1,5 bis 2 Liter am Tag, zum Beispiel Wasser oder Tee. Die Flüssigkeit spült Bakterien aus der Blase.
- Wärme: Eine Wärmflasche oder ein Heizkissen auf dem Unterbauch wird bei leichten Schmerzen als wohltuend beschrieben.
- Ruhe: Gönnen Sie sich Schonung, solange die Beschwerden stark sind.
- Schmerzmittel nach Beratung: Bei stärkeren Beschwerden kommen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen infrage. Klären Sie die Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
Laut ÄZQ klingt eine einfache Blasenentzündung oft schnell ab und hinterlässt keine Schäden. Spätestens nach zwei Wochen Behandlung sollten die Beschwerden besser sein; ist das nicht der Fall, gehen Sie erneut zum Arzt. Bei stärkeren Beschwerden oder wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich früher untersuchen.
Wie oft klingt eine Blasenentzündung von selbst ab?
Eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die die Techniker Krankenkasse aufbereitet hat, zeigt: In Studien waren nach einer Woche etwa 26 von 100 Frauen mit Placebo beschwerdefrei, mit Antibiotikum etwa 60 von 100. Ein Antibiotikum verkürzt die Beschwerden also bei vielen, ist aber nicht in jedem Fall nötig.
Was sagt die ärztliche Leitlinie zu Antibiotika und Schmerzmitteln?
Die deutsche S3-Leitlinie zu Harnwegsinfektionen wurde überarbeitet. Laut Pharmazeutischer Zeitung sollen bei Patientinnen, die nicht zur Gruppe der Hochbetagten gehören, entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) und pflanzliche Arzneimittel als Alternative zum Antibiotikum erwogen werden. Die Empfehlung wurde damit um eine Stufe verstärkt.
| Behandlung | Was die Leitlinie dazu auswertet |
|---|---|
| Ibuprofen | In den ausgewerteten Studien konnte bei 53 bis 67 Prozent der Teilnehmerinnen auf ein Antibiotikum verzichtet werden |
| Diclofenac | Bei 37 Prozent konnte auf ein Antibiotikum verzichtet werden |
| Bärentraubenblätter | Bei 64 Prozent konnte auf ein Antibiotikum verzichtet werden |
| Kombination aus Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut | Bei 84 Prozent konnte auf ein Antibiotikum verzichtet werden |
| Antibiotikum | Höhere Heilungsraten und besserer Schutz vor einer Nierenbeckenentzündung; Mittel der ersten Wahl sind unter anderem Fosfomycin, Nitrofurantoin und Pivmecillinam |
Die Leitlinienautoren halten es deshalb für vertretbar, Frauen mit akuter unkomplizierter Blasenentzündung eine Behandlung ohne Antibiotikum anzubieten. Sie weisen aber darauf hin, dass die Heilungsraten ohne Antibiotikum insgesamt etwas schlechter waren, vor allem beim Schutz vor einer aufsteigenden Infektion. Die Entscheidung treffen Sie am besten gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Homöopathische Mittel sind in der Leitlinie keine empfohlene Alternative.
Wird ein Antibiotikum verordnet, nehmen Sie es genau so ein wie verordnet. Laut IQWiG reichen für die meisten Frauen mit unkomplizierter Blasenentzündung ein bis drei Tage aus.
Wann müssen Sie mit einer Blasenentzündung zum Arzt?
Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie laut ÄZQ bei Blasenbeschwerden mit hohem Fieber oder Rückenschmerzen. Beides kann darauf hindeuten, dass die Entzündung die Nieren erreicht hat. Zeitnah zum Arzt sollten außerdem gehen:
- Schwangere,
- Männer, weil ein Harnwegsinfekt bei ihnen in der Regel als kompliziert gilt,
- Kinder, mit denen Sie bei Blasenbeschwerden oder unklarem Fieber in die Kinderarztpraxis gehen,
- Menschen mit Diabetes, geschwächtem Immunsystem oder Schäden an Nieren, Blase oder Harnröhre,
- alle, bei denen die Beschwerden zunehmen, Blut im Urin auftritt oder Blasenentzündungen immer wiederkehren.
Die australische Gesundheitsbehörde NHMRC rät ausdrücklich, Homöopathie nicht bei Erkrankungen einzusetzen, die schwer sind oder schwer werden könnten. Eine aufsteigende Harnwegsinfektion gehört dazu.
Welche Mittel nennt die Homöopathie bei Blasenentzündung?
In homöopathischen Ratgebern wird die Mittelwahl nach den Begleitumständen getroffen, also nach Art des Schmerzes und danach, was bessert oder verschlimmert. Häufig genannt werden:
- Cantharis wird traditionell bei heftig brennendem, ständigem Harndrang eingesetzt. Der Ausgangsstoff, die Spanische Fliege, reizt in größerer Menge die Harnwege stark.
- Sarsaparilla ordnet die Lehre Schmerzen zu, die vor allem am Ende des Wasserlassens auftreten.
- Staphisagria wird traditionell bei Blasenreizung nach Geschlechtsverkehr genannt.
- Apis wird in der Lehre bei stechend-brennenden Schmerzen mit spärlichem Urin erwähnt.
Diese Zuordnungen stammen aus der Überlieferung und aus Arzneimittelprüfungen, nicht aus Vergleichsstudien. Placebokontrollierte Studien, die eine verlässliche Wirkung eines dieser Mittel bei Blasenentzündung gezeigt hätten, sind uns nicht bekannt. Weil ein Teil der Infekte ohnehin abklingt, wird eine Besserung leicht dem Mittel zugeschrieben. Eine Potenz- oder Dosierempfehlung geben wir nicht. Wie Entzündungen allgemein ablaufen, erklärt der Überblick Globuli bei Entzündungen.
Und was ist mit Blasen nach einem Sonnenbrand?
Wer nach „Globuli gegen Blasen“ sucht, meint manchmal auch Blasen auf der Haut nach einem Sonnenbrand. Das ist etwas ganz anderes: Laut Pharmazeutischer Zeitung handelt es sich dabei um eine Verbrennung zweiten Grades, und bei Blasenbildung nach einem Tag in der Sonne sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Kühlen Sie die Haut, bleiben Sie im Schatten und öffnen Sie die Blasen nicht selbst. Cantharis wird in der Lehre zwar auch brennenden, blasenbildenden Hautreizungen zugeordnet, ein Nachweis fehlt aber auch hier.
Wo können Sie sich über Homöopathie im Alltag informieren?
Wer die Lehrmeinungen zu Alltagsbeschwerden nachlesen möchte, findet sie in Ratgeberbüchern gesammelt. Ein Beispiel ist der GU-Ratgeber aus der Reihe GU Alternativmedizin:
GU: Homöopathie – Alltagsbeschwerden
GU-Ratgeber zur homöopathischen Selbstbehandlung im Alltag.
- Verlag Gräfe und Unzer
- Reihe GU Alternativmedizin
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Der Ratgeber behandelt laut Verlag die homöopathische Selbstbehandlung im Alltag. Solche Bücher geben die Lehre wieder, nicht die Studienlage, und ersetzen bei Warnzeichen keinen Arztbesuch. Wir haben das Buch nicht selbst ausprobiert. Weitere Titel finden Sie im Vergleich Homöopathie-Bücher, eine Übersicht weiterer Beschwerden unter Homöopathie bei ….
Häufige Fragen
Wie viel sollte ich bei einer Blasenentzündung trinken?
Die ÄZQ-Patienteninformation nennt 1,5 bis 2 Liter am Tag. Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung weniger trinken soll, spricht die Menge mit der Ärztin oder dem Arzt ab.
Muss jede Blasenentzündung mit Antibiotika behandelt werden?
Nein. Bei unkomplizierter Blasenentzündung kann laut aktualisierter Leitlinie auch eine Behandlung mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder mit bestimmten pflanzlichen Mitteln angeboten werden. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Können Globuli ein Antibiotikum ersetzen?
Nein. Für keines der homöopathisch genannten Mittel gibt es einen verlässlichen Wirksamkeitsnachweis bei Blasenentzündung. Die Leitlinie nennt Homöopathie nicht als Alternative.
Woran erkenne ich, dass die Entzündung zu den Nieren aufsteigt?
Typisch sind Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen in der Flanke oder im Rücken und ein deutliches Krankheitsgefühl. Dann gehen Sie sofort zum Arzt.
Was kann ich tun, wenn Blasenentzündungen immer wiederkommen?
Lassen Sie die Ursachen ärztlich klären. Häufig genannt werden ausreichendes Trinken über den Tag, nicht zu lange mit dem Toilettengang zu warten und nach dem Geschlechtsverkehr Wasser zu lassen. Ärztlich kann auch eine vorbeugende Behandlung infrage kommen.
Quellen
- Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ): Blasenentzündung bei Frauen, Patienteninformation in Leichter Sprache, Juni 2021 (Beschwerden, 1,5 bis 2 Liter, Wärme, Ibuprofen, Warnzeichen, Risikogruppen, zwei Wochen). patienten-information.de (PDF)
- Pharmazeutische Zeitung: Leitlinie Harnwegsinfekte – Mehr Phytos und NSAR, weniger Antibiotika, 22.10.2024 (Empfehlungen der aktualisierten S3-Leitlinie, Anteile ohne Antibiotikum, Mittel der ersten Wahl, Männer). pharmazeutische-zeitung.de
- Techniker Krankenkasse auf Basis von IQWiG: Helfen Antibiotika bei akuter Blasenentzündung? (26 und 60 von 100 Frauen, ein bis drei Tage). tk.de
- Pharmazeutische Zeitung: Sonnenbrand mit Bläschenbildung – ab zum Arzt, 2018 (Verbrennung zweiten Grades). pharmazeutische-zeitung.de
- NHMRC: Information paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, 2015. apo.org.au
- EASAC: Homeopathic products and practices, 2017 (Homeopathy should not be used for conditions that are chronic, serious or could become serious). interacademies.org (PDF)
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