Die Frage „Wirken Globuli?“ ist die häufigste, die Leserinnen und Leser stellen, und sie verdient eine ehrliche Antwort. Diese Seite trägt zusammen, was große Übersichtsarbeiten gefunden haben, was Befürworter dagegen anführen, wie Placebo-Effekte und andere Erklärungen für gute Erfahrungen zustande kommen und wie Fachgesellschaften und Ärzteschaft das Thema bewerten. Wir stellen beide Seiten dar, nennen Zahlen nur mit Quelle und weisen auf Grenzen der Studien hin. Eine Behandlungsempfehlung ist das nicht.
Inhalt
- Wie prüft man, ob ein Mittel über Placebo hinaus wirkt?
- Die wichtigsten Übersichtsarbeiten im Überblick
- Was fand der NHMRC-Bericht?
- Was fanden Shang und Kollegen?
- Was fanden Mathie und Kollegen, und was führen Befürworter an?
- Was ist Placebo, und was ist Regression zur Mitte?
- Warum berichten viele Menschen gute Erfahrungen?
- Was sagen Fachgesellschaften und Ärzteschaft?
- Welche Risiken gibt es?
- Was folgt daraus für Sie?
- Häufige Fragen zu Wirkung und Placebo
- Häufige Fragen
- Quellen
Wie prüft man, ob ein Mittel über Placebo hinaus wirkt?
Um zu klären, ob ein Mittel selbst etwas bewirkt, muss man es mit einem Scheinmittel vergleichen. Die Standardmethode ist die randomisierte kontrollierte Studie (RCT): Teilnehmende werden zufällig einer Gruppe mit dem Mittel oder einer Gruppe mit einem äußerlich gleichen Placebo zugeteilt. In einer Doppelblindstudie wissen weder die Teilnehmenden noch die Behandelnden, wer was bekommt. So lassen sich Erwartungen und Beobachtungsfehler eingrenzen.
Weil einzelne Studien klein sind und zufällig schwanken, fasst man mehrere zusammen. Eine Metaanalyse rechnet die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen; eine systematische Übersichtsarbeit sucht dafür vorab festgelegt alle passenden Studien und bewertet deren Qualität. Das Prinzip steckt hinter der evidenzbasierten Medizin: Entscheidungen sollen auf der besten verfügbaren, methodisch geprüften Forschung beruhen.
Ein wichtiger Begriff ist das Verzerrungsrisiko (risk of bias). Studien mit schwacher Randomisierung, ohne Verblindung oder mit hohen Ausfällen zeigen im Schnitt größere Effekte als saubere Studien. Eine Übersichtsarbeit, die schwache und starke Studien zusammenwirft, kann so einen Effekt vortäuschen. Deshalb schauen die wichtigsten Arbeiten gezielt auf die Studien mit dem geringsten Verzerrungsrisiko.
Wer sich zum Hintergrund einlesen möchte: Im Vergleich Homöopathie-Bücher stellen wir Nachschlagewerke vor. Sie beschreiben die Lehre, nicht die Studienlage; die Auswahl beruht auf Herstellerangaben, wir haben die Bücher nicht selbst ausprobiert.
Die wichtigsten Übersichtsarbeiten im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Arbeiten zusammen. Die Einordnung dazu folgt in den nächsten Abschnitten.
| Studie | Jahr | Ergebnis |
|---|---|---|
| NHMRC (Australien), Information Paper zur Wirksamkeit von Homöopathie | 2015 | 57 Übersichtsarbeiten, 176 Studien, 68 Gesundheitsprobleme: Für keines gibt es verlässliche Belege für eine Wirksamkeit. |
| Shang et al., The Lancet | 2005 | 110 Homöopathie- und 110 Vergleichsstudien: Bei großen Studien guter Qualität kein klarer Effekt für Homöopathie (OR 0,88), aber für konventionelle Medizin (OR 0,58). |
| Mathie et al., individualisierte Homöopathie | 2014 | 32 RCTs; alle auswertbaren Studien: OR 1,53; die drei verlässlichsten: OR 1,98. Die Autoren mahnen wegen niedriger Qualität zur Vorsicht. |
| Mathie et al., nicht individualisierte Homöopathie | 2017 | 75 RCTs; alle auswertbaren Studien: kleiner Effekt, nach Korrektur für Publikationsverzerrung deutlich kleiner; drei verlässlichste Studien: kein signifikanter Effekt. |
| Mathie et al., individualisierte Homöopathie gegen andere Vergleichsbehandlung | 2018 | 11 RCTs, zehn mit hohem Verzerrungsrisiko: Wegen Qualität, geringer Zahl und Heterogenität kein eindeutiger Schluss möglich. |
| Ernst, Bachblüten, Swiss Medical Weekly | 2010 | Sieben RCTs: Alle placebokontrollierten Studien zeigten keine Wirksamkeit. |
| Thaler et al., Bachblüten, BMC CAM | 2009 | Vier RCTs: kein Nutzen im Vergleich zu Placebo, Evidenz von niedriger bis sehr niedriger Qualität. |
| Hróbjartsson und Gøtzsche, Cochrane Review zu Placebo | 2010 | Placebo hat insgesamt keine wichtigen klinischen Effekte; mögliche Effekte auf selbstberichtete Beschwerden wie Schmerz und Übelkeit. |
| EASAC (Wissenschaftsakademien der EU), Stellungnahme zu Homöopathie | 2017 | Keine bekannten Krankheiten, für die robuste, reproduzierbare Belege über Placebo hinaus vorliegen. |
Was fand der NHMRC-Bericht?
Der National Health and Medical Research Council (NHMRC) ist die Gesundheitsforschungsbehörde Australiens. Er ließ prüfen, was die Forschung über Homöopathie bei Gesundheitsproblemen des Menschen sagt. Ausgewertet wurden 57 systematische Übersichtsarbeiten mit 176 Einzelstudien zu 68 Gesundheitsproblemen, darunter Asthma, Arthritis und Ekzeme. Das Ergebnis in den Worten der Behörde: Es gebe keine Gesundheitsprobleme, für die verlässliche Belege vorliegen, dass Homöopathie wirksam ist.
Weiter heißt es, es habe keine gut gemachten Studien mit ausreichend vielen Teilnehmenden gegeben, die gezeigt hätten, dass Homöopathie bessere Ergebnisse bringt als Placebo oder dass sie gleich gute Ergebnisse bringt wie eine andere Behandlung. Bei manchen Gesundheitsproblemen sei Homöopathie nicht besser als Placebo gewesen, bei anderen stammten positive Ergebnisse aus schwachen Studien oder es reichte die Datenlage nicht für eine Aussage. Die Behörde rät, Homöopathie nicht bei chronischen, schweren oder potenziell schweren Gesundheitsproblemen einzusetzen und verordnete Behandlungen nicht abzusetzen.
Kritik kam unter anderem von Herstellerseite: Die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) bemängelte, es seien nur englischsprachige Arbeiten mit mehr als 150 Teilnehmenden berücksichtigt worden. Das ist eine fachliche Einschränkung: Kleinere Studien sind tendenziell anfälliger für Verzerrung, ein Ausschluss kann aber auch Treffer verpassen. Die NHMRC-Auswertung bleibt trotz dieser Kritik die breiteste staatliche Bewertung der Studienlage.
Was fanden Shang und Kollegen?
Die Arbeit von Shang und Kollegen in der Fachzeitschrift The Lancet verglich Placebo-kontrollierte Studien zur Homöopathie mit passend ausgewählten Studien aus der konventionellen Medizin. Insgesamt gingen 110 Homöopathie- und 110 Vergleichsstudien ein. In beiden Gruppen zeigten kleine und methodisch schwache Studien günstigere Effekte als große und methodisch gute. Das gilt als Hinweis auf Verzerrung.
Beschränkte man die Analyse auf große Studien guter Qualität, lag das Quotenverhältnis (OR, Werte unter 1 zeigen Nutzen) bei 0,88 für Homöopathie (Konfidenzintervall 0,65 bis 1,19, acht Studien) und bei 0,58 für die konventionelle Medizin (0,39 bis 0,85, sechs Studien). Die Autorinnen und Autoren folgerten, es gebe nur schwache Hinweise auf einen spezifischen Effekt homöopathischer Mittel, aber starke Hinweise auf spezifische Effekte konventioneller Eingriffe. Das sei mit der Annahme vereinbar, dass die klinischen Effekte der Homöopathie Placebo-Effekte sind.
Wichtig ist die Grenze der Arbeit: Sie beruht auf einer Teilmenge von nur acht Homöopathie-Studien, auf die sich das Hauptergebnis stützt. Das ist ein Punkt, an dem Kritiker ansetzen. Die Schlussfolgerung stützt sich auf die Annahme, dass große und gute Studien zuverlässiger sind als kleine, was methodisch weithin akzeptiert ist.
Was fanden Mathie und Kollegen, und was führen Befürworter an?
Befürworter der Homöopathie verweisen häufig auf die Arbeiten von Mathie und Kollegen. Sie sind für eine faire Darstellung wichtig, weil sie zu einem anderen Gesamteindruck kommen als der NHMRC.
Individualisierte Homöopathie (Übersichtsarbeit von 2014)
Mathie und Kollegen werteten 32 randomisierte, placebokontrollierte Studien zur individualisierten Homöopathie aus 24 Gesundheitsproblemen aus. Zwölf Studien wurden mit unklarem, 20 mit hohem Verzerrungsrisiko eingestuft; nur drei galten als verlässliche Belege. Für 22 Studien mit auswertbaren Daten ergab die Metaanalyse ein Quotenverhältnis von 1,53 (95 % Konfidenzintervall 1,22 bis 1,91), für die drei verlässlichsten Studien von 1,98 (1,16 bis 3,38). Die Autoren schlossen, individualisierte Homöopathie könne kleine, spezifische Effekte haben, und mahnten wegen der niedrigen bzw. unklaren Gesamtqualität zur Vorsicht. Neue hochwertige Studien seien nötig.
Nicht individualisierte Homöopathie (Übersichtsarbeit von 2017)
Die zweite Arbeit betrifft standardisierte Mittel, die nicht auf die einzelne Person abgestimmt sind. Ausgewertet wurden 75 RCTs zu 48 Gesundheitsproblemen; 49 Studien hatten ein hohes, 23 ein unklares Verzerrungsrisiko, nur drei galten als verlässlich. Die Metaanalyse aller auswertbaren Studien (54) ergab eine standardisierte Mittelwertdifferenz von −0,33 (95 % Konfidenzintervall −0,44 bis −0,21; negative Werte sprechen für Homöopathie), nach Korrektur für Publikationsverzerrung −0,16 (−0,31 bis −0,02). Die drei verlässlichsten Studien ergaben keinen signifikanten Effekt (−0,18; −0,46 bis 0,09). Für kein einzelnes Gesundheitsproblem gab es verlässliche Belege in der Metaanalyse. Die Autoren selbst schreiben, die Qualität der Belege sei niedrig.
Vergleich mit anderen Behandlungen (Übersichtsarbeit von 2018)
Eine dritte Arbeit derselben Gruppe untersuchte elf Studien, in denen individualisierte Homöopathie mit einer anderen Behandlung als Placebo verglichen wurde. Zehn Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Nach Ansicht der Autoren sind die Daten wegen geringer Qualität, kleiner Zahl und Unterschiedlichkeit der Studien nicht für eine eindeutige Aussage zur vergleichenden Wirksamkeit ausreichend.
Was bleibt von dieser Gegenüberstellung?
Befürworter können sich darauf berufen, dass in der Gesamtheit der Studien statistisch kleine Effekte erscheinen. Kritiker verweisen darauf, dass diese Effekte schrumpfen oder verschwinden, wenn man auf die verlässlichsten Studien oder auf Publikationsverzerrung achtet, und dass die Autoren selbst von niedriger Qualität sprechen. Beides stimmt gleichzeitig, und beides ist in den Zahlen zu sehen. Ein klarer, reproduzierbarer Nachweis liegt nicht vor; deshalb kommen die großen Bewertungen von NHMRC und EASAC zu ihrem Schluss. Genaue Begriffe wie Metaanalyse und Doppelblindstudie erklärt das Glossar.
Was ist Placebo, und was ist Regression zur Mitte?
Ein Placebo ist eine Scheinbehandlung ohne spezifischen Wirkstoff. Placebo-Effekte, also Veränderungen nach einer Scheinbehandlung, sind real, aber begrenzt. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von Hróbjartsson und Gøtzsche wertete 202 Studien mit Placebo- und Nicht-Behandlungsgruppen zu 60 Gesundheitsproblemen aus. Ihr Fazit: Placebos haben insgesamt keine wichtigen klinischen Effekte. In bestimmten Situationen können sie aber selbstberichtete Ergebnisse beeinflussen, besonders Schmerz und Übelkeit. Allerdings sei es schwer, tatsächliche Placebo-Effekte von verzerrter Berichterstattung zu trennen.
Das Gegenstück ist das Nocebo: Negative Erwartungen können zu Beschwerden führen. Beides zeigt, dass Erwartungen und Umstände mitspielen.
Ein weiteres Phänomen ist die Regression zur Mitte. Sie ist ein statistischer Effekt: Außergewöhnlich hohe oder niedrige Messwerte werden bei der nächsten Messung tendenziell näher am Durchschnitt liegen. Beschwerden schwanken, und die meisten Menschen suchen Hilfe, wenn es am schlimmsten ist. Danach wird es oft von selbst besser. Eine Methodenübersicht beschreibt Regression zur Mitte als Phänomen, das natürliche Schwankung in wiederholten Daten wie eine echte Veränderung aussehen lassen kann, und rät, sie immer als mögliche Ursache zu bedenken.
Warum berichten viele Menschen gute Erfahrungen?
Dass jemand nach der Einnahme von Globuli eine Besserung erlebt, ist ernst zu nehmen. Es sagt aber nicht automatisch, dass die Globuli der Grund waren. Mehrere Erklärungen kommen gemeinsam in Betracht:
- Natürlicher Verlauf und Spontanheilung: Viele Alltagsbeschwerden klingen von selbst ab, unabhängig von dem, was man einnimmt.
- Regression zur Mitte: Wer beim Tiefpunkt zum Mittel greift, erlebt danach statistisch fast zwangsläufig Besserung.
- Placebo-Effekt und Erwartung: Wer eine Besserung erwartet, nimmt Beschwerden anders wahr, besonders bei Schmerz und Übelkeit.
- Begleitende Maßnahmen: Ruhe, Zuwendung und Aufmerksamkeit, oft auch konventionelle Behandlung parallel, tragen zur Besserung bei. Ausführliche Gespräche, wie in der homöopathischen Anamnese, werden als möglicher Beitrag diskutiert.
- Auswahl der Erinnerung: Gelungene Fälle prägen sich ein, Fälle ohne Wirkung werden schneller vergessen.
Diese Punkte sind keine Unterstellung, sondern der Grund, warum kontrollierte Studien nötig sind: Nur der Vergleich mit einer Placebo-Gruppe trennt diese Einflüsse vom Mittel selbst. Ein einzelner positiver Eindruck, so überzeugend er sich anfühlt, kann diesen Vergleich nicht ersetzen. Das ist auch der Hintergrund dafür, dass wir auf dieser Seite keine Erfahrungsschilderungen veröffentlichen.
Was sagen Fachgesellschaften und Ärzteschaft?
EASAC
Der European Academies Science Advisory Council (EASAC), ein Zusammenschluss der Wissenschaftsakademien der EU-Mitgliedstaaten, veröffentlichte eine Stellungnahme zu homöopathischen Produkten. Sie kommt zu dem Schluss, dass es keine bekannten Krankheiten gebe, für die robuste, reproduzierbare Belege für eine Wirksamkeit über Placebo hinaus vorliegen. Die wissenschaftlichen Behauptungen der Homöopathie hält sie für „nicht plausibel und mit etablierten Konzepten aus Chemie und Physik nicht vereinbar“. EASAC fordert einheitliche, evidenzbasierte Zulassungsstandards für alle Arzneimittel und rät, dass Gesundheitssysteme homöopathische Produkte nicht ohne Wirksamkeitsnachweis erstatten. Als Hauptrisiko nennt die Stellungnahme die verzögerte Inanspruchnahme angemessener medizinischer Hilfe.
Bundesärztekammer und Deutscher Ärztetag
Der 126. Deutsche Ärztetag in Bremen beschloss, die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der Muster-Weiterbildungsordnung der Ärztinnen und Ärzte zu streichen. Begründet wurde das damit, dass wissenschaftliche Studien fehlten, die einen evidenzbasierten Einsatz der Homöopathie belegen, und dass damit auch die Grundsätze fehlten, nach denen Weiterbildungswissen überprüft werden könne. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 13 von 17 Landesärztekammern die Zusatzbezeichnung nicht in ihr Landesrecht übernommen. Die Muster-Weiterbildungsordnung dient den Landesärztekammern als Vorlage; ob die einzelne Kammer sie umsetzt, entscheidet sie selbst.
Bachblüten
Auch für die Bachblüten, die nicht zur Homöopathie gehören, gibt es Übersichtsarbeiten. Ernst fand sieben randomisierte Studien; alle placebokontrollierten zeigten keine Wirksamkeit. Thaler und Kollegen fanden vier RCTs ohne Nutzen gegenüber Placebo, bei niedriger bis sehr niedriger Qualität der Evidenz. Beide Arbeiten schließen daraus nicht, dass Bachblüten gefährlich wären; Thaler und Kollegen halten sie nach den vorliegenden Daten für wahrscheinlich sicher.
Welche Risiken gibt es?
Das Hauptrisiko ist nicht das Mittel, sondern die Verzögerung. EASAC warnt davor, dass die Anwendung dazu führen kann, dass Patientinnen und Patienten verspätet angemessene, evidenzbasierte medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Wer bei Atemnot, hohem Fieber oder anhaltenden Beschwerden zuerst Globuli ausprobiert, verliert wertvolle Zeit. Eine US-Auswertung zu Krebspatienten fand, dass die ausschließliche Nutzung alternativer Medizin anstelle der üblichen Krebsbehandlung mit einem höheren Sterberisiko einherging (Hazard Ratio 2,50). Diese Studie betrifft alternative Medizin insgesamt und nicht ausschließlich Homöopathie, zeigt aber, worum es geht.
Daneben gelten praktische Hinweise: Streukügelchen enthalten Saccharose, Dilutionen Alkohol, und niedrige Potenzen können Stoffe in messbarer Menge enthalten. Details lesen Sie auf der Seite Globuli.
Was folgt daraus für Sie?
Die Studienlage lässt sich so zusammenfassen: Ein verlässlicher Nachweis, dass Globuli über Placebo hinaus wirksam sind, fehlt. Wer sie dennoch verwenden möchte, etwa als Ergänzung ohne Anspruch auf Heilung, sollte drei Dinge beachten. Erstens: Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose und keine notwendige Behandlung. Zweitens: Bei Warnzeichen, bei Kindern, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Tieren gehört zuerst die Ärztin, der Arzt oder die Tierarztpraxis gefragt. Drittens: Verlassen Sie sich nicht auf Werbeversprechen, für registrierte Mittel sind Anwendungsgebiete nicht zulässig. Wie die Lehre aufgebaut ist, erklärt die Seite Was ist Homöopathie?; wie Potenzen zu lesen sind, steht unter Potenzen.
Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, vergleichen wir Homöopathie-Bücher. Beachten Sie: Die Auswahl beruht auf Herstellerangaben und nicht auf eigenem Ausprobieren.
Häufige Fragen zu Wirkung und Placebo
Häufige Fragen
Wirken Globuli nur als Placebo?
Die Übersichtsarbeiten der großen Institutionen, darunter NHMRC und EASAC, fanden keinen verlässlichen Nachweis einer Wirkung über Placebo hinaus. Einzelne Metaanalysen sehen kleine Effekte, schränken aber die Qualität der Belege selbst ein. Eine endgültige Aussage zu jedem einzelnen Mittel ist nicht möglich, die Beweislast liegt bei denen, die eine Wirkung behaupten.
Was ist der Unterschied zwischen Placebo-Effekt und Wirkung?
Ein Placebo-Effekt entsteht durch Erwartung, Zuwendung und Umstände, nicht durch einen Wirkstoff. Eine spezifische Wirkung zeigt sich im Vergleich: Ein Mittel muss in Studien besser abschneiden als ein äußerlich gleiches Placebo. Genau das konnten Übersichtsarbeiten für Homöopathie nicht verlässlich zeigen.
Warum haben Globuli bei mir oder meinem Kind scheinbar geholfen?
Viele Beschwerden bessern sich von selbst, und Menschen greifen oft zu einem Mittel, wenn es am schlimmsten ist. Dazu kommen Erwartung und Zuwendung. Das nimmt Ihre Erfahrung nicht weniger ernst, erklärt aber, warum einzelne Erfahrungen keinen Beleg für die Wirkung des Mittels liefern.
Sind Globuli gefährlich?
Die Mittel selbst gelten bei Tiefpotenzen mit messbarem Stoffgehalt als zu beachten, bei Hochpotenzen sind die Stoffmengen sehr klein. Das eigentliche Risiko ist die Verzögerung einer nötigen Behandlung. Bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung zuerst zur Ärztin oder zum Arzt.
Was sagt die Ärzteschaft zur Homöopathie?
Der Deutsche Ärztetag beschloss, die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der Muster-Weiterbildungsordnung zu streichen, weil wissenschaftliche Studien fehlen, die einen evidenzbasierten Einsatz belegen. 13 von 17 Landesärztekammern hatten sie schon zuvor nicht übernommen. Einzelne Ärztinnen und Ärzte wenden Homöopathie weiterhin an.
Quellen
- NHMRC (Australien): Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, Information Paper, 2015; Statement on Homeopathy. nhmrc.gov.au. Zusammenfassung des Fazits: Australian Policy Online. apo.org.au. Zahlen zum Umfang des Berichts: Cornell University, Evidence-Based Living. cornell.edu
- Apotheke Adhoc: Umfrage: Homöopathie beliebter als ihr Ruf (Kritik der DHU am NHMRC-Bericht), 11.07.2015. apotheke-adhoc.de
- Shang A., Huwiler-Müntener K., Nartey L., Jüni P., Dörig S., Sterne J.A., Pewsner D., Egger M.: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy, The Lancet 366, 2005, S. 726 bis 732. doi.org/10.1016/S0140-6736(05)67177-2
- Mathie R.T. et al.: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis, Systematic Reviews 3, 2014, Artikel 142. doi.org/10.1186/2046-4053-3-142
- Mathie R.T. et al.: Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis, Systematic Reviews 6, 2017, Artikel 63. doi.org/10.1186/s13643-017-0445-3
- Mathie R.T. et al.: Systematic review and meta-analysis of randomised, other-than-placebo controlled, trials of individualised homeopathic treatment, Homeopathy, 2018. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- EASAC: Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU, Statement, September 2017. interacademies.org
- Zahnärztliche Mitteilungen: Zusatzbezeichnung Homöopathie ist gestrichen (Beschlüsse des 126. Deutschen Ärztetages, Bremen), 15.06.2022. zm-online.de
- Hróbjartsson A., Gøtzsche P.C.: Placebo interventions for all clinical conditions, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2010, CD003974. doi.org/10.1002/14651858.CD003974.pub3
- Barnett A.G., van der Pols J.C., Dobson A.J.: Regression to the mean: what it is and how to deal with it, International Journal of Epidemiology 34, 2005, S. 215 bis 220. doi.org/10.1093/ije/dyh299
- Ernst E.: Bach flower remedies: a systematic review of randomised clinical trials, Swiss Medical Weekly, 2010. doi.org/10.4414/smw.2010.13079
- Thaler K., Kaminski A., Chapman A., Langley T., Gartlehner G.: Bach Flower Remedies for psychological problems and pain: a systematic review, BMC Complementary and Alternative Medicine 9, 2009, Artikel 16. doi.org/10.1186/1472-6882-9-16
- Johnson S.B., Park H.S., Gross C.P., Yu J.B.: Use of Alternative Medicine for Cancer and Its Impact on Survival, Journal of the National Cancer Institute, 2018. doi.org/10.1093/jnci/djx145
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