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Aconitum: Steckbrief zum Blauen Eisenhut

Herkunft, Kürzel, Potenzen und traditionelle Zuordnung von Aconitum napellus, einem Mittel aus einer der giftigsten Pflanzen Europas.

Kurz gesagt

Aconitum ist ein homöopathisches Einzelmittel aus dem Blauen Eisenhut (Aconitum napellus), der als giftigste Pflanzenart Europas gilt. Die Homöopathie ordnet es traditionell plötzlich und heftig einsetzenden Zuständen mit Angst und Unruhe zu, etwa nach trockener Kälte oder Schreck. Eine Wirkung über Placebo hinaus ist in systematischen Übersichtsarbeiten nicht belegt.

Redaktion Globuli-RatgeberAktualisiert am 04.11.2026So arbeiten wir

Aconitum, oft kurz Aconit genannt, ist eines der klassischen Akutmittel der Homöopathie. Ausgangsstoff ist der Blaue Eisenhut, eine auffällig blau blühende Gebirgspflanze, deren Teile allesamt sehr giftig sind. Dieser Steckbrief beschreibt Herkunft, Kürzel, Potenzen und Herstellung und erklärt, was die homöopathische Lehre dem Mittel zuordnet.

Inhalt
  1. Steckbrief
  2. Was die Homöopathie Aconitum zuordnet
  3. Potenzen im Überblick
  4. Ausgangsstoff und Herstellung
  5. Aufbewahren und mitnehmen
  6. Häufige Fragen
  7. Quellen

Steckbrief

MerkmalAngabe
Lateinischer NameAconitum napellus, in der Homöopathie Aconitum oder Aconit
Deutscher NameBlauer Eisenhut
PflanzenfamilieHahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
AusgangsstoffPflanze: laut homöopathischer Fachliteratur der blühende Eisenhut mit Wurzel
KürzelAcon.
Im Handel übliche Potenzenhäufig D6, D12 und C30, daneben weitere D- und C-Potenzen bis zu Hochpotenzen wie C200
DarreichungsformenGlobuli (Streukügelchen), Dilution (Tropfen) und Tabletten, je nach Hersteller
ApothekenpflichtHomöopathische Arzneimittel sind in Deutschland grundsätzlich apothekenpflichtig (§ 43 AMG). Ob ein einzelnes Präparat zusätzlich verschreibungspflichtig ist, steht auf der Packung.
GiftpflanzeJa. Alle Pflanzenteile enthalten das Alkaloid Aconitin und sind sehr giftig, schon etwa zwei Gramm der Wurzel können für Menschen tödlich sein. Der Blaue Eisenhut steht in Deutschland unter Naturschutz.

Was die Homöopathie Aconitum zuordnet

In der homöopathischen Lehre wird Aconitum traditionell Zuständen zugeordnet, die akut, plötzlich und heftig einsetzen. Die klassische Materia medica von William Boericke stellt Furcht, Angst und körperliche wie seelische Unruhe in den Mittelpunkt, ebenso Schreck. Als Auslöser beschreibt die Lehre unter anderem trockenes, kaltes Wetter, kalte Zugluft und unterdrückten Schweiß. Nach Boericke gehört das Mittel an den Beginn eines akuten Geschehens und nicht in spätere Phasen.

Als Modalitäten nennt Boericke eine Besserung an der frischen Luft. Eine Verschlimmerung beschreibt er im warmen Zimmer, am Abend und in der Nacht, beim Liegen auf der betroffenen Seite, durch Musik, durch Tabakrauch sowie durch trockene, kalte Winde.

Historisch geht das Arzneimittelbild auf Arzneimittelprüfungen zurück, die Samuel Hahnemann an sich selbst, an Familienangehörigen und an Schülern durchführte. Es handelt sich um Lehrmeinung, nicht um einen Wirksamkeitsnachweis. Einen ebenfalls plötzlichen Beginn, jedoch mit Hitze und Röte im Vordergrund, ordnet die Lehre Belladonna zu. Einen eher langsamen Beginn mit Schwäche und Zittern verbindet sie mit Gelsemium.

Potenzen im Überblick

Die Potenz auf dem Etikett beschreibt, wie oft der Ausgangsstoff verdünnt und verschüttelt wurde. Bei D-Potenzen geschieht jeder Schritt im Verhältnis 1:10, bei C-Potenzen im Verhältnis 1:100. Aconitum D6 entspricht damit einer Verdünnung von 1:1.000.000, Aconitum D12 einer Verdünnung von 1:10¹². Ab etwa C12 ist rechnerisch kein Molekül des Eisenhuts mehr zu erwarten. Wie sich die einzelnen Stufen berechnen, zeigt unser Potenz-Rechner. Was hinter D-, C- und LM-Potenzen steckt, lesen Sie unter Potenzen verständlich erklärt.

Eine Empfehlung, welche Potenz Sie wofür verwenden, geben wir nicht. Zu Aconitum gibt es in unserem Archiv mehrere ältere Einzelbeiträge zu bestimmten Potenzen und Themen:

Die Archivbeiträge überarbeiten wir schrittweise nach unseren aktuellen Redaktionsregeln. Maßgeblich für Anwendung, Gegenanzeigen und Hinweise ist immer die Packungsbeilage des jeweiligen Präparats.

Ausgangsstoff und Herstellung

Für Aconitum wird nach Angaben homöopathischer Nachschlagewerke der blühende Blaue Eisenhut samt Wurzel zerkleinert und in Alkohol angesetzt. Daraus entsteht die Urtinktur. Die Herstellungsvorschriften legt in Deutschland das Homöopathische Arzneibuch (HAB) fest.

Durch Potenzierung entstehen daraus die einzelnen Stufen. Bei jedem Schritt wird ein Teil mit neun (D) oder 99 (C) Teilen Lösungsmittel verdünnt und verschüttelt. Für Globuli werden Saccharose-Kügelchen mit der flüssigen Potenz benetzt und getrocknet, Tabletten werden meist mit Milchzucker hergestellt.

Wegen der hohen Giftigkeit des Ausgangsstoffs unterliegen niedrige Verdünnungsstufen besonderen Regeln. Ob für ein Präparat Abgabebeschränkungen gelten, steht auf der Packung oder erfahren Sie in der Apotheke. Den Eisenhut im Garten oder in der Natur sollten Sie nicht ohne Handschuhe anfassen und niemals verzehren.

Wer Alkohol, Zucker oder Laktose meiden möchte, achtet auf die Darreichungsform: Dilutionen enthalten in der Regel Alkohol als Lösungsmittel. Die genaue Zusammensetzung von Aconitum nennt die Packungsbeilage des jeweiligen Herstellers. Bei Globuli unterscheiden sich die Angebote zudem in der Größe der Kügelchen und im Format von Glas oder Spender.

Aufbewahren und mitnehmen

Bewahren Sie Aconitum trocken, lichtgeschützt, bei Raumtemperatur und unerreichbar für Kinder auf. In der Originalverpackung bleiben Packungsbeilage, Verfalldatum und Chargenbezeichnung zusammen. Gläser sollten nach jeder Entnahme sofort wieder fest verschlossen werden.

Für ungeöffnete Packungen von Aconitum gilt das aufgedruckte Verfalldatum. Nach dem Öffnen nennen manche Hersteller in der Packungsbeilage zusätzlich eine Aufbrauchfrist, vor allem bei Dilutionen. Globuli, die verklebt, verfärbt oder feucht geworden sind, gehören nicht mehr in die Taschenapotheke, sondern in den Restmüll oder zur Rücknahme in die Apotheke.

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Häufige Fragen

Wie giftig ist der Blaue Eisenhut?

Sehr giftig. Alle Pflanzenteile enthalten Aconitin, schon etwa zwei Gramm der Wurzel können tödlich sein. Der Blaue Eisenhut gilt als giftigste Pflanzenart Europas. Homöopathische Zubereitungen sind verdünnt, in hohen Potenzen ist kein Ausgangsstoff mehr zu erwarten.

Ist Aconit dasselbe wie Aconitum?

Ja. Aconit ist eine gebräuchliche Kurzform für Aconitum napellus. In Repertorien steht meist das Kürzel „Acon.“.

Wo bekomme ich Aconitum?

Homöopathische Arzneimittel sind in Deutschland apothekenpflichtig. Sie erhalten Aconitum in Apotheken vor Ort oder über zugelassene Versandapotheken. Ob ein Präparat zusätzlich verschreibungspflichtig ist, steht auf der Packung.

Gibt es Belege für eine Wirkung von Aconitum?

Nein. Systematische Übersichtsarbeiten fanden für homöopathische Mittel keinen verlässlichen Nachweis einer Wirkung über Placebo hinaus. Mehr dazu in unserem Überblick zur Studienlage der Homöopathie.

Quellen

  • Boericke W.: Homoeopathic Materia Medica, Kapitel Aconitum napellus: www.homeoint.org
  • Wikipedia: Blauer Eisenhut: de.wikipedia.org
  • Wikipedia: Liste homöopathischer Grundsubstanzen (Ausgangsstoffe und Kürzel): de.wikipedia.org
  • NHMRC (Australien): Information Paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, 2015 (Zusammenfassung bei Australian Policy Online): apo.org.au
  • Ernst E.: A systematic review of systematic reviews of homeopathy. British Journal of Clinical Pharmacology 54 (6), 2002, S. 577–582: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Arzneimittelgesetz (AMG), § 43 Apothekenpflicht: www.gesetze-im-internet.de

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