„Soll ich D6 oder D12 nehmen?“ Diese Frage hören Apotheken sehr oft. Auf vielen Packungen homöopathischer Mittel stehen genau diese beiden Kürzel, und im Regal liegen oft beide Varianten desselben Mittels nebeneinander. Dieser Beitrag erklärt, wie die homöopathische Lehre die Wahl zwischen D6 und D12 beschreibt, welche Angaben Sie auf Packung und Beipackzettel finden und wer Ihnen bei der Entscheidung zur Seite steht. Eine Empfehlung, welche Potenz Sie bei welcher Beschwerde verwenden sollten, geben wir bewusst nicht. Warum, lesen Sie weiter unten.
Inhalt
- Was bedeuten D6 und D12 auf der Packung?
- Wie beschreibt die homöopathische Lehre die Wahl zwischen D6 und D12?
- D6 und D12 im direkten Vergleich
- Was steht auf der Packung und im Beipackzettel?
- Welche Rolle spielen Apotheke und Arztpraxis?
- Warum empfehlen wir keine Potenz für bestimmte Beschwerden?
- Mehrere Potenzen zu Hause: Wie behalten Sie den Überblick?
- Häufige Fragen
- Quellen
Was bedeuten D6 und D12 auf der Packung?
Das D steht für „dezimal“. Bei einer D-Potenz wird der Ausgangsstoff in jedem Schritt im Verhältnis 1:10 verdünnt und verschüttelt. Die Zahl dahinter nennt die Zahl der Schritte. D6 heißt also: sechs Schritte zu je 1:10, zusammen eine Verdünnung von 1:1.000.000. D12 heißt: zwölf Schritte, zusammen 1:1.000.000.000.000. So beschreibt es auch das Apothekenportal aponet.de.
Für die Entscheidung reicht dieses Grundwissen. Wie die Herstellung im Labor genau abläuft, wie viele Moleküle rechnerisch übrig bleiben und woher die Tiefpotenzen historisch kommen, erklären wir ausführlich im Hintergrundbeitrag Was D6 und D12 technisch unterscheidet.
Wie beschreibt die homöopathische Lehre die Wahl zwischen D6 und D12?
Innerhalb der Homöopathie gelten D6 und D12 als Tiefpotenzen. Sie werden traditionell für die Selbstanwendung angeboten. In der Pharmazeutischen Zeitung berichtete die Apothekerin und Homöopathin Hella Heinrich von einem Seminar für Apotheken. Ihre Empfehlung aus Sicht der Lehre: Einsteiger sollten „unbedingt mit Tiefpotenzen, in Deutschland meist D4 oder D6, beginnen“. Hochpotenzen gehörten in die Hand erfahrener Behandler.
Laut demselben Bericht wird einer D4 oder D6 in der Lehre eine Wirkdauer von einigen Stunden zugeschrieben. Sie könne deshalb mehrmals täglich eingenommen werden. Eine D12 halte nach dieser Vorstellung etwa ein bis zwei Tage an. Daraus ergibt sich die verbreitete Faustregel der Homöopathie: D6 eher häufiger, D12 eher seltener.
Wichtig ist die Einordnung: Das sind Aussagen der homöopathischen Lehre, keine gemessenen Ergebnisse. Die Vorstellung, eine stärker verdünnte Potenz sei „stärker“, widerspricht der Chemie. Eine D12 enthält eine Million Mal weniger Ausgangsstoff als eine D6. Eine Richtung, die sich naturwissenschaftlich-kritische Homöopathie nennt, verwendet nach Angaben der deutschsprachigen Wikipedia meist nur Potenzen bis D12 und lehnt Hochpotenzen ab.
D6 und D12 im direkten Vergleich
Die Tabelle stellt die beiden Potenzen nebeneinander. Die Spalte zur Lehrmeinung gibt wieder, was in der Homöopathie gelehrt wird. Sie ist kein Beleg für eine Wirkung.
| Merkmal | D6 | D12 |
|---|---|---|
| Verdünnungsschritte | 6 × 1:10 | 12 × 1:10 |
| Gesamtverdünnung | 1:106 (eine Million) | 1:1012 (eine Billion) |
| Rechnerischer Anteil Ausgangsstoff je 1 g Dilution | 0,000001 g (1 Mikrogramm) | 0,000000000001 g (1 Pikogramm) |
| Entspricht in der C-Skala (Verdünnung) | C3 | C6 |
| Einordnung der Kommission D am BfArM | niedriger Verdünnungsgrad (bis D23) | niedriger Verdünnungsgrad (bis D23) |
| Avogadro-Grenze überschritten? | nein | nein |
| Zugeschriebene Wirkdauer laut Lehre | einige Stunden | etwa ein bis zwei Tage |
| Belegte Wirkung über Placebo | nein | nein |
Die Umrechnungen ergeben sich direkt aus den Verdünnungsverhältnissen. Bei pflanzlichen Mitteln bezieht sich der Anteil auf die Urtinktur, nicht auf einen reinen Wirkstoff. Andere Stufen können Sie mit unserem Potenz-Rechner selbst nachrechnen.
Was steht auf der Packung und im Beipackzettel?
Welche Potenz ein Mittel hat, legt der Hersteller fest. Sie wählen also in der Regel nicht frei zwischen D6 und D12, sondern zwischen zwei Produkten mit eigener Packungsbeilage. Darin steht, wie viele Kügelchen oder Tropfen eine Einzelgabe sind und wie oft sie angewendet werden.
Viele homöopathische Mittel sind nur registriert, nicht zugelassen. Für sie schreibt das Arzneimittelgesetz in § 10 Absatz 4 einen festen Hinweis vor: „Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation“. Ein Anwendungsgebiet fehlt dann auf der Packung. Ebenfalls vorgeschrieben ist der Hinweis, bei fortdauernden Krankheitssymptomen medizinischen Rat einzuholen.
Fehlen präparatespezifische Angaben, orientieren sich viele Beilagen an den Dosierungsempfehlungen der Kommission D beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Diese beschreiben für Erwachsene und niedrige Verdünnungsgrade bis D23 folgende Konvention:
- Akut: alle halbe bis ganze Stunde eine Einzeldosis, höchstens sechsmal täglich. Als Beispiel für eine Einzeldosis nennt die Kommission 5 Streukügelchen, 5 Tropfen oder 1 Tablette.
- Dauer: Eine Anwendung über eine Woche hinaus soll nur nach Rücksprache mit einem homöopathisch erfahrenen Therapeuten erfolgen.
- Chronisch: ein- bis dreimal täglich eine Einzeldosis.
- Bei Besserung: die Häufigkeit verringern.
Diese Angaben gelten für D6 und D12 gleichermaßen, denn beide liegen unter der Grenze von D24. Sie sind eine Beschreibung der Konvention, keine Empfehlung von uns. Verbindlich ist immer die Packungsbeilage Ihres Mittels. Wie die Einnahme im Alltag praktisch abläuft, erklärt unser Ratgeber zur Dosierung von Globuli.
Welche Rolle spielen Apotheke und Arztpraxis?
In der Apotheke können Sie sich zur Auswahl und Anwendung homöopathischer Mittel beraten lassen. Das Apothekenportal aponet.de betont zugleich: Bei starken, ungewöhnlichen oder lange anhaltenden Beschwerden soll die Ursache ärztlich geklärt werden. Diese Reihenfolge ist auch unser Rat. Erst die Ursache, dann die Frage, ob Sie zusätzlich ein homöopathisches Mittel verwenden möchten.
Für die Frage „D6 oder D12“ heißt das praktisch:
- Lesen Sie die Packungsbeilage beider Produkte und vergleichen Sie die dort genannte Anwendung.
- Fragen Sie in der Apotheke nach, wenn die Angaben unklar sind oder Sie mehrere Mittel gleichzeitig verwenden.
- Gehen Sie zur Ärztin oder zum Arzt, wenn Beschwerden stark sind, wiederkehren oder sich nicht bessern.
- Bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei chronischen Erkrankungen sprechen Sie die Anwendung immer vorher ärztlich ab.
Warum empfehlen wir keine Potenz für bestimmte Beschwerden?
Viele Ratgeber ordnen D6 „akuten“ und D12 „chronischen“ Beschwerden zu. Für diese Zuordnung gibt es keinen belastbaren Beleg. Die Schweizer Forschergruppe um Aijing Shang verglich 110 placebokontrollierte Homöopathie-Studien mit 110 passenden Studien der konventionellen Medizin. Nach Berücksichtigung der Studienqualität fand sie nur schwache Hinweise auf eine spezifische Wirkung der Homöopathie. Ihr Fazit: Das Ergebnis passt zu der Annahme, dass die klinischen Effekte der Homöopathie Placebo-Effekte sind.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen der australische Forschungsrat NHMRC und der Rat der europäischen Wissenschaftsakademien EASAC. Studien, die einen Unterschied zwischen D6 und D12 über Placebo hinaus zeigen, sind uns nicht bekannt. Eine Empfehlung „bei Beschwerde X nehmen Sie D6“ wäre deshalb nicht seriös. Wenn Sie die Unterschiede zwischen den Potenzskalen grundsätzlich verstehen möchten, hilft unser Beitrag zu D- und C-Potenzen.
Mehrere Potenzen zu Hause: Wie behalten Sie den Überblick?
Wer dasselbe Mittel in D6 und D12 besitzt, verwechselt die Gläser leicht. Die Fläschchen sehen sich sehr ähnlich, nur das Etikett unterscheidet sie. Hilfreich sind eine feste Ordnung und Plätze, die nicht verrutschen. Ein Etui mit festen Fächern sorgt dafür, dass jedes Glas seinen Platz hat und das Etikett lesbar bleibt.
offro Taschenapotheke, 24 Gläser
Rindleder-Etui für 24 Gläser im 10-ml-Format.
- Rindleder
- 24 Plätze
- laut Hersteller passend für 10-ml-Gläser von DHU
* Affiliate-Link. Werbehinweis
Das Rindleder-Etui bietet laut Hersteller 24 Plätze und passt für 10-ml-Gläser von DHU. Ideal ist es, wenn Sie mehrere Mittel und Potenzen geordnet aufbewahren möchten. Wir haben das Produkt nicht selbst ausprobiert. Weitere Modelle vergleichen wir in der Übersicht zur Globuli-Taschenapotheke.
Häufige Fragen
Ist D12 stärker als D6?
In der homöopathischen Lehre gilt die höhere Potenz als stärker. Chemisch ist es umgekehrt: Eine D12 ist eine Million Mal stärker verdünnt als eine D6 und enthält entsprechend weniger Ausgangsstoff. Eine stärkere Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt.
Kann ich D6 und D12 desselben Mittels austauschen?
Es handelt sich um zwei verschiedene Arzneimittel mit eigener Packungsbeilage. Halten Sie sich an die Anwendung, die in der Beilage des jeweiligen Produkts steht. Bei Unsicherheit fragen Sie in der Apotheke.
Wie oft werden D6 und D12 laut Konvention eingenommen?
Die Kommission D am BfArM beschreibt für beide Potenzen dieselbe Konvention: akut höchstens sechsmal täglich eine Einzeldosis, bei chronischen Beschwerden ein- bis dreimal täglich. Die Lehre gibt D6 eher häufiger und D12 eher seltener. Maßgeblich ist die Packungsbeilage.
Warum steht auf meiner Packung kein Anwendungsgebiet?
Registrierte homöopathische Arzneimittel dürfen kein Anwendungsgebiet nennen. Das Arzneimittelgesetz schreibt stattdessen den Hinweis „Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation“ vor.
Sind D6 und D12 Hochpotenzen?
Nein. Beide gelten als Tiefpotenzen. Die Kommission D zieht die Grenze zu hohen Verdünnungsgraden bei D24 beziehungsweise C12. Mehr dazu lesen Sie in unserem Grundlagenbeitrag zu Potenzen.
Quellen
- aponet.de: Homöopathie: Was Globuli, Potenzen und das Ähnlichkeitsprinzip bedeuten (Verdünnungsverhältnisse, Beratung in der Apotheke, ärztliche Abklärung). aponet.de
- Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 22/2006: Der Weg zum richtigen Mittel (Lehrmeinung zu Tiefpotenzen, Wirkdauer D4/D6 und D12). pharmazeutische-zeitung.de
- BfArM, Kommission D: Neufassung der Dosierungsempfehlungen für homöopathische Arzneimittel (Grenze D23/C11 und D24/C12, Einzeldosis, Häufigkeit). bfarm.de
- Arzneimittelgesetz (AMG), § 10 Kennzeichnung, Absatz 4. gesetze-im-internet.de
- Shang A. et al.: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? The Lancet, 2005 (110 Homöopathie- und 110 Vergleichsstudien). pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- NHMRC (Australien): NHMRC Information Paper: Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, 2015. apo.org.au
- EASAC: Homeopathic products and practices, Statement 2017. interacademies.org
- Wikipedia: Homöopathie (naturwissenschaftlich-kritische Homöopathie, Tief- und Hochpotenzen; Sekundärquelle). de.wikipedia.org
* Affiliate-Link: Bei einem Kauf erhalten wir eine Provision, für Sie ändert sich der Preis nicht. Mehr im Werbehinweis
MV-Versand Taschenapotheke Klassik, Leder, mit 64 Gläsern
Große Leder-Taschenapotheke als Komplettset mit 64 Klargläsern, bereit zum Befüllen.
- Leder
- 64 Klargläser im Lieferumfang
- 18,5 × 13,5 × 2,5 cm
* Affiliate-Link. Werbehinweis
Ebenfalls gefragt
Anzeige







