Das Knie meldet sich beim Treppensteigen, die Finger sind morgens steif, die Hüfte schmerzt nach dem Spaziergang: Gelenkschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, vor allem im Alter. Hinter dem Sammelbegriff „Rheuma“ stecken jedoch sehr verschiedene Erkrankungen. Manche lassen sich durch Bewegung gut beeinflussen, andere brauchen früh eine fachärztliche Therapie, damit die Gelenke keinen dauerhaften Schaden nehmen. Dieser Beitrag erklärt die Unterschiede, nennt die belegten Maßnahmen und ordnet ein, was die Homöopathie zu Gelenkbeschwerden lehrt und was Studien dazu zeigen.
Inhalt
- Arthrose oder Rheuma: Was ist der Unterschied?
- Warum muss rheumatoide Arthritis früh behandelt werden?
- Was bewirkt Bewegung bei Arthrose im Knie?
- Was lehrt die Homöopathie über Gelenkbeschwerden?
- Was zeigen Studien zu Homöopathie bei Gelenkerkrankungen?
- Wo können Sie die Lehrmeinungen nachlesen?
- Häufige Fragen
- Quellen
Arthrose oder Rheuma: Was ist der Unterschied?
Die beiden häufigsten Ursachen chronischer Gelenkschmerzen werden oft verwechselt, verlaufen aber grundverschieden.
| Merkmal | Arthrose | Rheumatoide Arthritis |
|---|---|---|
| Was passiert | Der Gelenkknorpel wird dünner und verschleißt | Das Immunsystem greift die Gelenkinnenhaut an, es entsteht eine chronische Entzündung |
| Häufigkeit | In einer großen deutschen Studie wurden 4 Prozent der Erwachsenen innerhalb eines Jahres wegen Kniearthrose behandelt, je 2 Prozent wegen Hüft- und Fingerarthrose | Etwa 1 Prozent der Erwachsenen; Frauen 2- bis 3-mal so häufig wie Männer |
| Beginn | Meist nach dem 40. Lebensjahr | Meist nach dem 50. Lebensjahr, bei Frauen im Schnitt etwa 10 Jahre früher |
| Schmerz | Vor allem bei Belastung, Anlaufschmerz nach Ruhe | Warme, geschwollene, schmerzhafte Gelenke, oft auf beiden Körperseiten gleich |
| Morgensteifigkeit | Meist kurz | Oft länger als eine Stunde |
| Wichtigste Behandlung | Bewegung, Muskeltraining, Gewichtsabnahme bei Übergewicht | Frühzeitige Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten |
Laut gesundheitsinformation.de spricht eine Morgensteifigkeit von mehr als 30 Minuten eher für eine rheumatoide Arthritis als für eine Arthrose. Alle Zahlen in der Tabelle stammen aus den Patienteninformationen des IQWiG. Daneben gibt es weitere entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie Gicht oder Morbus Bechterew, die ebenfalls ärztlich behandelt werden.
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Warum muss rheumatoide Arthritis früh behandelt werden?
Die rheumatoide Arthritis ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Laut gesundheitsinformation.de hilft es, Gelenkschäden vorzubeugen, wenn die Erkrankung möglichst früh erkannt und behandelt wird. Zentral sind krankheitsmodifizierende Medikamente, die die Entzündung hemmen und den Verlauf verlangsamen. Schmerzmittel und vorübergehend Kortison kommen für die Beschwerden hinzu.
Die frühe Diagnose ist nicht immer einfach, weil die ersten Anzeichen oft unspezifisch sind. Wer geschwollene Gelenke, eine lange Morgensteifigkeit oder Schmerzen in mehreren Gelenken bemerkt, sollte deshalb nicht abwarten. Die Hausarztpraxis kann an eine rheumatologische Praxis überweisen. Homöopathische Mittel sind kein Ersatz für diese Therapie. Gerade bei der rheumatoiden Arthritis kann verlorene Zeit bleibende Schäden an den Gelenken bedeuten.
Zum Verlauf nennt gesundheitsinformation.de diese Zahlen: Zehn Jahre nach Krankheitsbeginn hatte etwa die Hälfte der Betroffenen leichte, gut 40 Prozent mittlere und etwa 10 Prozent erhebliche Einschränkungen im Alltag.
Was bewirkt Bewegung bei Arthrose im Knie?
Bewegung gehört bei Arthrose zu den wichtigsten Maßnahmen. Laut gesundheitsinformation.de ist sie nötig, damit der Gelenkknorpel ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Training stärkt zudem Muskeln und Bänder, die das Gelenk stabilisieren. Bewegungsmangel erhöht umgekehrt das Risiko für Arthrose.
- Gewicht: Starkes Übergewicht belastet Knie und Hüfte. Um die Beschwerden spürbar zu verbessern, ist laut IQWiG eine Gewichtsabnahme von mindestens 5 Prozent, eher 10 Prozent nötig.
- Schmerzmittel: Entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen werden möglichst nur bei Bedarf und in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt; Gele zum Auftragen können eine nebenwirkungsärmere Möglichkeit sein. Klären Sie das mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
- Hilfsmittel: Gehstock, Greif- und Öffnungshilfen oder geeignete Schuhe entlasten im Alltag.
Für einige verbreitete Angebote, darunter Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Mittel und Hyaluronsäure-Spritzen, ist laut IQWiG kein Nutzen bei Arthrose nachgewiesen.
Welche Bewegung eignet sich für ältere Menschen?
Gelenkschonende Ausdauer- und Kraftübungen sind meist gut geeignet. Für Menschen mit rheumatoider Arthritis nennt gesundheitsinformation.de Radfahren, Gehen, Tanzen, sanftes Krafttraining, Schwimmen und Wassergymnastik. Physiotherapie kann helfen, ein passendes Programm zu finden. Wer mehrere Medikamente einnimmt, sollte jedes neue Präparat, auch frei verkäufliche Schmerzmittel und Nahrungsergänzungen, in der Apotheke auf Wechselwirkungen prüfen lassen.
Was lehrt die Homöopathie über Gelenkbeschwerden?
In der homöopathischen Lehre richtet sich die Mittelwahl nach den Modalitäten, also danach, wodurch sich die Beschwerden bessern oder verschlimmern. Bei Gelenkschmerzen werden vor allem zwei Mittel genannt, die sich in der Lehre gegensätzlich verhalten:
- Rhus toxicodendron (Giftsumach) wird traditionell bei Steifigkeit eingesetzt, die beim ersten Bewegen schmerzt und sich durch fortgesetzte Bewegung und Wärme bessert. Nasskaltes Wetter und Ruhe verschlechtern laut Lehre.
- Bryonia (Zaunrübe) ordnet die Homöopathie traditionell Gelenkschmerzen zu, die sich durch jede Bewegung verschlimmern und durch Ruhe und festen Druck bessern.
Diese Unterscheidung ist eine Lehrmeinung aus der Überlieferung, nicht das Ergebnis von Vergleichsstudien. Eine Potenz- oder Dosierempfehlung für Gelenkschmerzen geben wir nicht.
Was zeigen Studien zu Homöopathie bei Gelenkerkrankungen?
Gerade bei Gelenkerkrankungen gibt es einige placebokontrollierte Studien. Ihre Ergebnisse sind ernüchternd:
- Arthrose: In einer doppelblinden Studie von Shipley und Kollegen, erschienen in The Lancet, wurde Rhus toxicodendron mit dem Schmerzmittel Fenoprofen und mit Placebo verglichen. Laut der Übersicht im EBSCO-Fachlexikon verringerte Fenoprofen die Schmerzen deutlich stärker, das homöopathische Mittel war nicht wirksamer als Placebo.
- Rheumatoide Arthritis: Fisher und Scott untersuchten 112 Menschen mit rheumatoider Arthritis, die zusätzlich ihre übliche Therapie erhielten. Sie fanden keinen Hinweis, dass homöopathische Mittel die Beschwerden über drei Monate besser beeinflussten als Placebo.
- Gesamtbild: Der australische Forschungsrat NHMRC fand für keine Erkrankung verlässliche Belege, dass Homöopathie wirksam ist.
Warum berichten trotzdem viele von einer Besserung? Arthrose verläuft in Schüben, Phasen mit stärkeren Schmerzen klingen meist nach einigen Tagen wieder ab. Wer im Schub Globuli nimmt, erlebt danach oft eine Besserung, die ohnehin gekommen wäre. Das Prinzip erklären wir im Glossar unter Regression zur Mitte. Mehr zum Unterschied zwischen akuter und chronischer Entzündung lesen Sie im Überblick Globuli bei Entzündungen.
Wo können Sie die Lehrmeinungen nachlesen?
Wer verstehen möchte, wie die Homöopathie Alltagsbeschwerden wie Gelenkschmerzen einordnet, findet die Zuordnungen in Ratgeberbüchern gesammelt, etwa in diesem GU-Ratgeber:
GU: Homöopathie – Alltagsbeschwerden
GU-Ratgeber zur homöopathischen Selbstbehandlung im Alltag.
- Verlag Gräfe und Unzer
- Reihe GU Alternativmedizin
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Der Ratgeber erscheint laut Verlag in der Reihe GU Alternativmedizin und behandelt die homöopathische Selbstbehandlung im Alltag. Er gibt die Lehre wieder, nicht die Studienlage, und ersetzt keine rheumatologische Diagnose. Wir haben das Buch nicht selbst ausprobiert. Weitere Titel vergleichen wir unter Homöopathie-Bücher.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob ich Arthrose oder Rheuma habe?
Sicher klären lässt sich das nur ärztlich. Hinweise auf eine rheumatoide Arthritis sind warme, geschwollene Gelenke, oft auf beiden Körperseiten, und eine Morgensteifigkeit von mehr als 30 Minuten. Arthrose schmerzt eher bei Belastung und nach Ruhephasen.
Kann Rhus toxicodendron Arthrose im Knie bessern?
Dafür gibt es keinen Nachweis. In einer placebokontrollierten Studie war Rhus toxicodendron bei Arthrose nicht wirksamer als Placebo. Belegt sind Bewegung, Muskeltraining und bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme.
Darf ich bei Rheuma zusätzlich Globuli nehmen?
Besprechen Sie das mit Ihrer Rheumatologin oder Ihrem Rheumatologen. Wichtig ist, dass die verordnete Basistherapie nicht ersetzt oder unterbrochen wird.
Ist Bewegung bei schmerzenden Gelenken nicht schädlich?
Bei Arthrose ist angepasste Bewegung eine der wichtigsten Maßnahmen, weil sie den Knorpel versorgt und die Muskulatur stärkt. Im akuten Entzündungsschub ist Schonung sinnvoll; was passt, klären Sie mit Ärztin, Arzt oder Physiotherapie.
Wann muss ich mit Gelenkschmerzen sofort zum Arzt?
Wenn ein Gelenk plötzlich heiß, rot und stark geschwollen ist, vor allem mit Fieber, oder nach einem Unfall nicht mehr belastbar ist. Dann noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
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Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Rheumatoide Arthritis, Stand 15.11.2023 (Häufigkeit, Morgensteifigkeit, frühe Behandlung, Medikamente, Verlauf, Bewegung). gesundheitsinformation.de
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Arthrose (Häufigkeit, Morgensteifigkeit über 30 Minuten, Bewegung, Gewichtsabnahme 5 bis 10 Prozent, Schmerzmittel, Hilfsmittel, unbelegte Verfahren). gesundheitsinformation.de
- Shipley M et al.: Controlled trial of homoeopathic treatment of osteoarthritis. The Lancet 1983; zusammengefasst in EBSCO Research Starters: Homeopathic remedies for osteoarthritis. ebsco.com
- Fisher P, Scott DL: A randomized controlled trial of homeopathy in rheumatoid arthritis. Rheumatology 2001;40:1052–1055. dcscience.net (PDF)
- NHMRC: Information paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, 2015. apo.org.au
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