Homöopathie bei Heuschnupfen

Heuschnupfen und juckende Augen: Was ist belegt, was lehrt die Homöopathie?

Wie eine Pollenallergie festgestellt wird, welche Behandlungen belegt sind, warum der Etagenwechsel zum Asthma ernst zu nehmen ist und was Studien zu Galphimia und Euphrasia zeigen.

Kurz gesagt

Heuschnupfen lässt sich per Pricktest oder Bluttest sicher feststellen. Belegt sind Antihistaminika, kortisonhaltige Nasensprays und die Hyposensibilisierung, die über drei bis fünf Jahre läuft und das Asthmarisiko laut Fachleuten etwa halbieren kann. Galphimia und Euphrasia werden in der Homöopathie traditionell bei Heuschnupfen eingesetzt; die Studien sind überwiegend von geringer Qualität, eine neuere Studie der Charité fand keinen Vorteil gegenüber Placebo.

Redaktion Globuli-RatgeberAktualisiert am 04.11.2026So arbeiten wir

Die Augen jucken und tränen, die Nase läuft, das Niesen hört nicht auf: Für viele Menschen beginnt mit dem ersten Pollenflug eine anstrengende Zeit. Viele suchen dann nach Alternativen zu Tabletten und Sprays und stoßen auf Globuli mit Galphimia oder Euphrasia. Dieser Beitrag erklärt, wie Heuschnupfen festgestellt wird, welche Behandlungen belegt sind und warum eine frühe Behandlung wichtig ist. Danach geht es um die homöopathische Lehre und die Studienlage. Am Ende finden Sie einen Abschnitt zu Erkältung und Grippe, weil beides oft mit Heuschnupfen verwechselt wird.

Inhalt
  1. Woran erkennen Sie Heuschnupfen?
  2. Wie wird eine Pollenallergie festgestellt?
  3. Welche Behandlungen sind bei Heuschnupfen belegt?
  4. Was bedeutet Etagenwechsel?
  5. Welche Mittel nennt die Homöopathie bei Heuschnupfen?
  6. Was zeigen Studien zu Globuli bei Heuschnupfen?
  7. Und was gilt bei Erkältung und Grippe?
  8. Wo können Sie die Lehrmeinungen nachlesen?
  9. Häufige Fragen
  10. Quellen

Woran erkennen Sie Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist eine Allergie gegen Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern. Laut gesundheitsinformation.de, der Patientenseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), hat in Ländern wie Deutschland etwa jeder vierte Mensch Heuschnupfen. Die meisten bemerken erste Beschwerden vor dem 20. Lebensjahr. Typisch sind Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase und Müdigkeit. Wenn auch die Augen tränen und jucken und die Lider anschwellen, sprechen Fachleute von einer allergischen Rhinokonjunktivitis. Die Beschwerden treten nur auf, solange die auslösenden Pollen fliegen.

MerkmalHeuschnupfenErkältung
BeginnMit dem Pollenflug, jedes Jahr ähnlichNach Ansteckung, oft in der kalten Jahreszeit
AugenHäufig juckend und tränendEher selten betroffen
DauerSo lange die Pollen fliegenMeist ein bis zwei Wochen
FieberNeinManchmal

Wie wird eine Pollenallergie festgestellt?

Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden, deren zeitlichem Verlauf und den Lebensumständen. Beim Pricktest werden Allergenlösungen auf den Unterarm getropft und die Haut leicht angeritzt. Wird die Stelle rot und schwillt an wie bei einem großen Mückenstich, spricht das für eine Allergie. Laut gesundheitsinformation.de kann zusätzlich eine Blutuntersuchung oder ein Provokationstest nötig sein. Den Allergietest machen in der Regel Hautärzte, HNO-Ärzte, Lungenfachärzte oder Kinderärzte mit allergologischer Zusatzausbildung.

Die genaue Diagnose lohnt sich: Nur wenn das Allergen bekannt ist, lässt sich gezielt vorbeugen und eine Hyposensibilisierung planen. Pollen können außerdem Kreuzallergien gegen bestimmte Lebensmittel auslösen.

Welche Behandlungen sind bei Heuschnupfen belegt?

gesundheitsinformation.de nennt mehrere Gruppen von Medikamenten, die die Beschwerden beeinflussen:

  • Antihistaminika als Tabletten, Nasenspray oder Augentropfen,
  • kortisonhaltige Nasensprays (Kortikosteroide),
  • Chromone als Nasenspray oder Augentropfen,
  • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten als Tabletten,
  • abschwellende Nasentropfen, aber nur kurzzeitig.

Salzwasser-Nasensprays und Nasenspülungen können die Beschwerden ebenfalls mildern, ersetzen aber meist keine Medikamente. Welche Mittel für Sie passen, besprechen Sie in der Arztpraxis oder Apotheke.

Was bringt eine Hyposensibilisierung?

Die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt, ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt. Dabei bekommen Sie das Allergen regelmäßig in kleinen Mengen, entweder als Spritze unter die Haut oder als Tablette oder Tropfen unter die Zunge. Die Behandlung dauert laut gesundheitsinformation.de mindestens drei bis fünf Jahre und kann die Beschwerden langfristig abschwächen. Der Allergologe Prof. Ludger Klimek sagte der Pharmazeutischen Zeitung, die Wirkung halte im Schnitt etwa zehn Jahre an, manchmal 15 Jahre oder länger.

Was können Sie bei juckenden Augen tun?

Antihistaminika und Chromone gibt es auch als Augentropfen. Reiben Sie die Augen möglichst nicht, weil das die Reizung verstärkt. Wer Kontaktlinsen trägt, fragt in der Apotheke nach geeigneten Tropfen. Bei starken Schmerzen, Sehstörungen oder eitrigem Ausfluss gehört das Auge in die augenärztliche Praxis, denn dann steckt womöglich mehr als eine Allergie dahinter.

Was bedeutet Etagenwechsel?

Als Etagenwechsel bezeichnen Fachleute, wenn sich eine Allergie von den oberen Atemwegen (Nase) auf die unteren (Bronchien) ausweitet. Laut gesundheitsinformation.de kann sich aus einem allergischen Schnupfen nach einigen Jahren ein allergisches Asthma entwickeln. Die Pharmazeutische Zeitung zitiert Prof. Klimek mit der Einschätzung, dass bis rund 40 Prozent der Menschen mit allergischer Rhinokonjunktivitis ein chronisches Asthma entwickeln können. Das Risiko steige, je länger die Allergie unbehandelt bestehe. Durch eine Hyposensibilisierung lasse es sich etwa halbieren.

Achten Sie deshalb auf Husten, pfeifende Atmung, Engegefühl in der Brust oder Atemnot während der Pollenzeit. Diese Zeichen sollten Sie ärztlich abklären lassen und nicht selbst behandeln.

Welche Mittel nennt die Homöopathie bei Heuschnupfen?

In der homöopathischen Lehre wird das Mittel nach den Begleitumständen gewählt, den sogenannten Modalitäten. Bei einer Fortbildung zur Homöopathie, über die die Ärzte Zeitung berichtete, wurden unter anderem diese Zuordnungen vorgestellt:

  • Galphimia glauca, eine Pflanze aus Mexiko, wird traditionell bei Heuschnupfen allgemein eingesetzt, auch vorbeugend vor der Pollensaison.
  • Euphrasia (Augentrost) ordnet die Lehre gereizten, brennenden, tränenden Augen mit Lichtempfindlichkeit zu.
  • Allium cepa (Küchenzwiebel) wird bei brennendem, wässrigem Fließschnupfen genannt, der an frischer Luft besser wird.
  • Wyethia wird bei starkem Juckreiz an Gaumen und Rachen erwähnt.

Diese Zuordnungen beruhen auf Überlieferung und Arzneimittelprüfungen, nicht auf Vergleichsstudien. Eine Potenz- oder Dosierempfehlung für Heuschnupfen geben wir nicht.

Was zeigen Studien zu Globuli bei Heuschnupfen?

Heuschnupfen gehört zu den Beschwerden, zu denen es vergleichsweise viele Homöopathie-Studien gibt. Das Gesamtbild ist trotzdem schwach:

  • Eine systematische Übersicht von Banerjee und Kollegen, an der der Homöopathie-Forscher Robert Mathie beteiligt war, wertete elf Studien aus. Acht davon hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Drei Studien zu Galphimia zeigten zusammengefasst einen Vorteil gegenüber Placebo, die Autoren mahnen aber wegen der geringen Qualität zur Vorsicht.
  • Der Medizinprofessor Edzard Ernst kritisierte die Übersicht: Alle Galphimia-Studien stammten aus einer einzigen deutschen Arbeitsgruppe, eine unabhängige Bestätigung fehle.
  • Eine neuere placebokontrollierte Studie der Charité Berlin verglich Galphimia, eine individuelle homöopathische Behandlung und Placebo. Weder das Standardmittel noch die individuelle Behandlung war Placebo überlegen. Die Aussagekraft ist begrenzt, weil statt der geplanten 270 nur 62 Teilnehmende gewonnen wurden.

Die australische Gesundheitsbehörde NHMRC fand insgesamt für kein Gesundheitsproblem verlässliche Belege einer Wirkung über Placebo hinaus. Dass sich Heuschnupfen mit Globuli scheinbar bessert, kann auch am Pollenflug liegen, der von Tag zu Tag stark schwankt. Mehr zu solchen Fehlerquellen lesen Sie im Beitrag Wie Globuli wirken und was die Wissenschaft weiß.

Und was gilt bei Erkältung und Grippe?

Viele Leser suchen auch nach Globuli gegen Erkältung, zur Vorbeugung oder bei Grippe. Eine Erkältung vergeht laut gesundheitsinformation.de meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst, Husten kann bis zu drei Wochen anhalten. Erwachsene haben im Schnitt zwei bis vier Erkältungen im Jahr, Kinder oft sechs bis acht. Gegen Beschwerden können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol, kurzzeitig abschwellende Nasensprays und Honig bei Husten beitragen. Antibiotika nützen gegen Erkältungsviren nicht. Zum Vorbeugen empfiehlt die Seite häufiges Händewaschen, Abstand zu Kranken und das Gesicht nicht zu berühren. Mittel, die angeblich das Immunsystem stärken, halten dort einer Prüfung kaum stand: Für Vitamin C, Zink und Echinacea ist die Datenlage unklar.

In der Homöopathie werden bei beginnender Erkältung traditionell Mittel wie Aconitum oder Belladonna genannt. Für das bekannte Grippe-Präparat Oscillococcinum fand eine Cochrane-Übersicht mit sechs Studien keine ausreichend guten Belege für Vorbeugung oder Behandlung. Bei hohem Fieber, Brustschmerzen, Atemnot oder Beschwerden, die sich verschlimmern, gehen Sie zum Arzt. Wer ständig Atemwegsinfekte hat, sollte die Ursache ärztlich klären lassen.

Wo können Sie die Lehrmeinungen nachlesen?

Die homöopathischen Zuordnungen zu Alltagsbeschwerden wie Heuschnupfen finden Sie in Ratgeberbüchern gesammelt, etwa in diesem GU-Ratgeber:

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Häufige Fragen

Sind Galphimia-Globuli bei Heuschnupfen wirksam?

Ein verlässlicher Nachweis fehlt. Die älteren positiven Studien stammen aus einer Arbeitsgruppe und sind von geringer Qualität, eine neuere Studie der Charité fand keinen Vorteil gegenüber Placebo.

Wann lohnt sich ein Allergietest?

Wenn Sie jedes Jahr zur gleichen Zeit Schnupfen und juckende Augen haben, lohnt sich eine allergologische Abklärung. Sie ist die Voraussetzung für eine gezielte Behandlung und eine Hyposensibilisierung.

Wann sollte eine Hyposensibilisierung beginnen?

Den Zeitpunkt legt die allergologische Praxis fest. Viele Behandlungen beginnen außerhalb der Pollensaison. Die Therapie läuft mindestens drei Jahre.

Kann aus Heuschnupfen Asthma werden?

Ja. Aus einem allergischen Schnupfen kann sich nach einigen Jahren ein allergisches Asthma entwickeln. Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot sollten Sie deshalb ärztlich abklären lassen.

Ist es Heuschnupfen oder eine Erkältung?

Heuschnupfen kehrt jedes Jahr zur Pollenzeit wieder, geht oft mit juckenden Augen einher und verursacht kein Fieber. Eine Erkältung klingt meist nach ein bis zwei Wochen ab. Im Zweifel hilft die Arztpraxis.

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Quellen

  • gesundheitsinformation.de (IQWiG): Heuschnupfen (Häufigkeit, Beschwerden, Pricktest, Medikamente, Hyposensibilisierung, Asthma). gesundheitsinformation.de
  • Pharmazeutische Zeitung: Rechtzeitig auf Toleranz polen, 04.03.2022 (Etagenwechsel bis rund 40 Prozent, Halbierung des Asthmarisikos, Dauer der Wirkung). pharmazeutische-zeitung.de
  • Banerjee K, Mathie RT, Costelloe C, Howick J: Homeopathy for Allergic Rhinitis: A Systematic Review. J Altern Complement Med 2017. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Ernst E: Is homeopathy effective for allergic rhinitis? Mathie et al think so – I disagree, Mai 2017. edzardernst.com
  • Siewert J, Cramer H, Brinkhaus B u. a.: Homeopathic medication for seasonal allergic rhinitis – a randomised placebo-controlled trial. Frontiers in Allergy 2026. frontiersin.org
  • Ärzte Zeitung: Homöopathie zähmt Heuschnupfen, 30.04.2008 (Bericht über eine Fortbildung, Lehrmeinungen zu Galphimia, Euphrasia, Allium cepa, Wyethia). aerztezeitung.de
  • gesundheitsinformation.de (IQWiG): Erkältung (Dauer, Häufigkeit, Behandlung, Vorbeugung, Warnzeichen). gesundheitsinformation.de
  • Cochrane: Homoeopathic Oscillococcinum for preventing and treating influenza and influenza-like illness (Mathie et al., 2015). cochrane.org
  • NHMRC: Information paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, 2015. apo.org.au

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