Potenzen und Dosierung

Wie sich D- und C-Potenzen unterscheiden

Die Grundlagen der beiden Potenzskalen: Verdünnung 1:10 und 1:100, Umrechnung mit Beispielen, Avogadro-Grenze und was Hoch- und Tiefpotenz bedeuten.

Kurz gesagt

Bei D-Potenzen wird der Ausgangsstoff je Schritt 1:10 verdünnt, bei C-Potenzen 1:100. Ein C-Schritt entspricht deshalb in der Verdünnung zwei D-Schritten: C3 ist so verdünnt wie D6, C6 wie D12, C12 wie D24. Ab etwa D24 beziehungsweise C12 ist rechnerisch kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr zu erwarten.

Redaktion Globuli-RatgeberAktualisiert am 04.11.2026So arbeiten wir

D6, C30, D12, C200: Die Kürzel auf homöopathischen Mitteln wirken auf den ersten Blick verwirrend. Dahinter stehen zwei Rechenregeln, die sich leicht verstehen lassen. Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen der D- und der C-Skala, zeigt mit Rechenbeispielen, wie Sie zwischen beiden umrechnen, wo die sogenannte Avogadro-Grenze liegt und was mit Hoch- und Tiefpotenzen gemeint ist. Ob es zwischen D- und C-Potenzen über die Rechnung hinaus echte Unterschiede gibt, klären wir in einem eigenen Beitrag: Gibt es echte Unterschiede zwischen D und C?

Inhalt
  1. Wofür stehen die Buchstaben D und C?
  2. Wie rechnet man D- und C-Potenzen um?
  3. Wo liegt die Avogadro-Grenze?
  4. Werden D- und C-Potenzen gleich hergestellt?
  5. Was sind LM- und Q-Potenzen?
  6. Was bedeuten Hochpotenz und Tiefpotenz?
  7. Wie bewahren Sie Mittel verschiedener Potenzen auf?
  8. Häufige Fragen
  9. Quellen

Wofür stehen die Buchstaben D und C?

Beide Buchstaben beschreiben das Verhältnis, in dem der Ausgangsstoff je Schritt verdünnt wird. Die Zahl dahinter nennt die Zahl der Schritte. So beschreibt es auch das Apothekenportal aponet.de.

  • D wie dezimal: Je Schritt wird 1 Teil der Vorstufe mit 9 Teilen Lösungsmittel gemischt. Das ergibt eine Verdünnung von 1:10.
  • C wie centesimal: Je Schritt wird 1 Teil mit 99 Teilen Lösungsmittel gemischt. Das ergibt 1:100. Mehr dazu im Glossar unter C-Potenz.

Die C-Skala ist die ältere. Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, verdünnte in Hunderterschritten. Das Dezimalsystem entwickelte später Arthur Lutze, Constantin Hering führte es in die Behandlung ein. Im englischen Sprachraum heißen D-Potenzen oft X: Eine 6X entspricht einer D6.

Wie rechnet man D- und C-Potenzen um?

Die Gesamtverdünnung ergibt sich, wenn Sie das Verhältnis je Schritt so oft multiplizieren, wie die Zahl angibt. Für D-Potenzen gilt: Dn = 1:10n. Für C-Potenzen gilt: Cn = 1:100n = 1:102n. Ein C-Schritt entspricht also in der Verdünnung zwei D-Schritten.

Drei Rechenbeispiele:

  • D6: 10 × 10 × 10 × 10 × 10 × 10 = 1.000.000. Die D6 ist 1:1.000.000 verdünnt.
  • C3: 100 × 100 × 100 = 1.000.000. Die C3 ist damit genauso verdünnt wie die D6.
  • C30: 10030 = 1060. Die C30 entspricht in der Verdünnung einer D60.

Die englischsprachige Wikipedia fasst diese Gleichungen so zusammen: 2X = 1C, 12X = 6C und 60X = 30C.

C-PotenzGesamtverdünnungGleich verdünnte D-PotenzSchritte C / D
C11:102D21 / 2
C31:106D63 / 6
C61:1012D126 / 12
C121:1024D2412 / 24
C151:1030D3015 / 30
C301:1060D6030 / 60
C2001:10400D400200 / 400

Ein häufiger Irrtum: Eine C12 ist nicht so verdünnt wie eine D12, sondern wie eine D24. Und die gleiche Verdünnung heißt nicht, dass beide Potenzen auf die gleiche Weise entstanden sind. Eine C3 hat drei Schritte hinter sich, eine D6 sechs. Für die homöopathische Lehre ist das ein Unterschied. Andere Stufen rechnen Sie bequem im Potenz-Rechner nach.

Wo liegt die Avogadro-Grenze?

Ein Mol eines Stoffes enthält nach der Avogadro-Konstante rund 6,02 × 1023 Teilchen. Verdünnt man eine Lösung mit einem Mol Ausgangsstoff je Liter im Verhältnis 1:1024, bleibt rechnerisch weniger als ein Molekül je Liter übrig. Die deutschsprachige Wikipedia nennt für diese Stufe statistisch etwa 0,6 Moleküle.

Diese Stufe heißt Avogadro-Grenze. Sie liegt bei D24 oder C12. Bei allen höheren Potenzen ist kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr zu erwarten. Ab hier wird nach Darstellung der Wikipedia praktisch nur noch Lösungsmittel mit Lösungsmittel gemischt. Für die Praxis bedeutet das:

  • D6, D12 und C6 liegen vor der Grenze. Sie enthalten rechnerisch noch Ausgangsstoff.
  • C30, C200 und alle höheren C-Potenzen liegen weit dahinter.
  • Bei den LM- und Q-Potenzen ist die Grenze laut Wikipedia schon bei der sechsten Stufe überschritten.

Werden D- und C-Potenzen gleich hergestellt?

Das Verfahren ist sehr ähnlich. Laut Wikipedia wird bei beiden Skalen je Schritt zehnmal verschüttelt. Das Homöopathische Arzneibuch (HAB) schreibt für jeden Schritt ein neues Gefäß vor. Die Ärzte Zeitung beschreibt, wie das Fläschchen dazu zehnmal auf einen Moosgummiblock geschlagen wird. Unlösliche Stoffe wie Mineralien werden zunächst mit Milchzucker verrieben. Die Einglasmethode nach Korsakow ist im HAB nicht vorgesehen.

Manche Leser fragen, ob sie C-Potenzen selbst herstellen können. Eine Anleitung dazu geben wir nicht. Fertigarzneimittel werden laut PTAheute nach den Vorschriften des HAB und den Regeln der Guten Herstellungspraxis mit Kontrollen in jedem Schritt hergestellt. Zu Hause lassen sich weder Reinheit noch Verdünnung zuverlässig kontrollieren.

Was sind LM- und Q-Potenzen?

Neben D und C gibt es eine dritte Skala. Bei LM- und Q-Potenzen wird laut Wikipedia je Stufe 1:50.000 verdünnt und hundertmal verschüttelt. Ausgangspunkt ist eine Verreibung in der Stufe C3. Für diese Potenzen beschreibt die Kommission D am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine eigene Anwendungsweise, bei der die Kügelchen in Wasser aufgelöst werden. Ausführlich erklären wir die Skala in unserem Beitrag zu LM-Potenzen.

Was bedeuten Hochpotenz und Tiefpotenz?

Die Begriffe stammen aus der homöopathischen Praxis. Eine einheitliche Grenze gibt es nicht. Für die Anwendung ist die Einteilung der Kommission D maßgeblich. Sie unterscheidet:

  • Niedrige Verdünnungsgrade bis D23 beziehungsweise C11: Für Erwachsene nennt die Kommission eine Konvention mit Einzeldosen, etwa 5 Streukügelchen, akut höchstens sechsmal täglich.
  • Hohe Verdünnungsgrade ab D24 beziehungsweise C12: Hier soll die Dosierung individuell durch einen homöopathisch erfahrenen Therapeuten erfolgen. In der Selbstmedikation ist nur eine einzelne Gabe vorgesehen.

Die homöopathische Lehre empfiehlt Einsteigern laut einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung Tiefpotenzen, in Deutschland meist D4 oder D6. Das sind Beschreibungen der Konvention, keine Empfehlung von uns. Maßgeblich ist immer die Packungsbeilage. Wie die Einnahme laut Beilage abläuft, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Dosierung. Alles Weitere zu C30, C200 und höheren Stufen finden Sie im Beitrag C-Potenzen: Was Sie wissen sollten.

Wie bewahren Sie Mittel verschiedener Potenzen auf?

Wer D- und C-Potenzen nebeneinander besitzt, sollte besonders auf die Etiketten achten. Eine Arnica D12 und eine Arnica C12 sehen gleich aus, sind aber unterschiedlich verdünnt. Bewahren Sie die Mittel in der Originalverpackung auf und beachten Sie die Lagerhinweise der Packungsbeilage. Ein Etui mit festen Plätzen hilft, die Gläser geordnet und lesbar zu halten.

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Häufige Fragen

Ist C6 dasselbe wie D12?

In der Verdünnung ja: Beide sind 1:1012 verdünnt. Hergestellt werden sie aber unterschiedlich, die C6 in sechs Schritten, die D12 in zwölf. Es sind zwei verschiedene Arzneimittel mit eigener Packungsbeilage.

Ist eine C30 stärker als eine D30?

Chemisch ist die C30 viel stärker verdünnt. Sie entspricht einer D60. Die homöopathische Lehre hält höhere Potenzen für „stärker“, eine stärkere Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt.

Woher kommt das Wort „Potenz“?

Laut Ärzte Zeitung geht der Begriff auf die Annahme zurück, dass die Verdünnung eine besondere Kraft erzeugt. Das lateinische Wort „potentia“ bedeutet Kraft. Mit Potenzmitteln im umgangssprachlichen Sinn hat der Begriff nichts zu tun.

Ab welcher Potenz ist kein Ausgangsstoff mehr enthalten?

Ab etwa D24 beziehungsweise C12 ist rechnerisch kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr zu erwarten. Diese Stufe heißt Avogadro-Grenze.

Darf ich Hochpotenzen selbst anwenden?

Die Kommission D am BfArM sieht für Potenzen ab D24 beziehungsweise C12 in der Selbstmedikation nur eine einzelne Gabe vor. Für eine Fortsetzung soll ein homöopathisch erfahrener Therapeut aufgesucht werden. Lassen Sie Beschwerden außerdem immer ärztlich abklären.

Quellen

  • aponet.de: Homöopathie: Was Globuli, Potenzen und das Ähnlichkeitsprinzip bedeuten (Verdünnungsverhältnisse D und C). aponet.de
  • Wikipedia: Potenzieren (Homöopathie) (Schüttelschläge, Mehrglasmethode, Avogadro-Grenze bei D24/C12, LM/Q-Potenzen, Lutze und Hering; Sekundärquelle). de.wikipedia.org
  • Wikipedia (englisch): Homeopathic dilutions (Umrechnung 2X = 1C, 12X = 6C, 60X = 30C; Sekundärquelle). en.wikipedia.org
  • BfArM, Kommission D: Neufassung der Dosierungsempfehlungen für homöopathische Arzneimittel (Grenze D23/C11 und D24/C12, LM/Q-Potenzen). bfarm.de
  • Ärzte Zeitung: Potenzen: verdünnt und verschüttelt (Herstellung, Herkunft des Begriffs Potenz). aerztezeitung.de
  • PTAheute: Wie werden Homöopathika hergestellt? (HAB, GMP, Inprozess-Kontrollen). ptaheute.de
  • Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 22/2006: Der Weg zum richtigen Mittel (Lehrmeinung zu Tiefpotenzen). pharmazeutische-zeitung.de
  • DocCheck Flexikon: Avogadro-Konstante. flexikon.doccheck.com

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