Bei einer Erkältung greifen viele zuerst zu Hausmitteln: heißer Tee, Honig, Dampfbad, Vitamin C. Manche davon sind seit Generationen überliefert, andere werden in der Werbung als Abwehrstütze angepriesen. Was davon in Studien untersucht wurde und mit welchem Ergebnis, zeigt dieser Beitrag. Grundlage sind vor allem systematische Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration, die alle verfügbaren kontrollierten Studien zu einer Frage zusammenfassen.
Vorab das Wichtigste: Eine gewöhnliche Erkältung ist eine Virusinfektion, die laut dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums meist nach etwa ein bis zwei Wochen von selbst abklingt. Husten kann länger dauern, bei Erwachsenen im Schnitt 18 Tage, bei Kindern bis zu drei Wochen. Antibiotika sind bei einer einfachen Erkältung nicht sinnvoll.
Inhalt
- Wie lesen Sie die Evidenztabelle?
- Die Evidenztabelle: Hausmittel bei Erkältung
- Ruhe und Schonung: sinnvoll, aber nicht untersucht
- Viel trinken: weniger klar als gedacht
- Inhalieren: kein nachgewiesener Nutzen, bei Kindern ein Risiko
- Honig: der am besten belegte Klassiker, aber nicht für Babys
- Zink: kleiner Effekt, unsichere Daten
- Vitamin C: regelmäßig ein wenig, akut kaum
- Wann sollten Sie zum Arzt?
- Häufige Fragen
- Häufige Fragen
- Quellen
Wie lesen Sie die Evidenztabelle?
Wir bewerten jedes Hausmittel mit einer von drei Stufen. Die Bewertung beruht auf der jeweils genannten Übersichtsarbeit, nicht auf Einzelstudien oder Erfahrungen.
- Belegt: Eine Übersichtsarbeit fand einen Nutzen mit mindestens moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Das sagt nichts darüber, wie groß der Effekt ist.
- Unklar: Es gibt Hinweise auf einen Nutzen, aber die Evidenz ist niedrig, widersprüchlich oder der Effekt sehr klein.
- Nicht belegt: Es fehlen aussagekräftige Studien, oder die vorhandenen Studien zeigen keinen Nutzen. „Nicht belegt“ heißt nicht automatisch „schädlich“ oder „sinnlos“.
Die Evidenztabelle: Hausmittel bei Erkältung
| Hausmittel | Was die Übersichtsarbeit fand | Bewertung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Ruhe, Schonung | Keine kontrollierten Studien bekannt, die Bettruhe bei Erkältung prüfen. Gesundheitsbehörden wie der britische NHS empfehlen Ruhe trotzdem als Teil der Selbstversorgung. | Nicht belegt | NHS (Empfehlung ohne Studienbewertung) |
| Viel trinken | Keine randomisierten Studien, die für oder gegen den Rat sprechen, bei akuten Atemwegsinfekten mehr zu trinken. Bei Infekten der unteren Atemwege gibt es Hinweise auf mögliche Risiken durch sehr große Trinkmengen. | Nicht belegt | Cochrane, Guppy et al., 2021 |
| Inhalieren mit warmer, feuchter Luft | Sechs Studien mit 387 Teilnehmenden fanden weder Nutzen noch Schaden. Einzelne Studien berichteten Reizungen der Nase. | Nicht belegt | Cochrane, Singh et al., 2017 |
| Honig bei Husten (Kinder ab 1 Jahr) | Honig verringert die Hustenhäufigkeit wahrscheinlich etwas stärker als keine Behandlung oder Placebo (moderate Vertrauenswürdigkeit). Untersucht wurden Kinder von 12 Monaten bis 18 Jahren. | Belegt (kleiner Effekt) | Cochrane, Oduwole et al., 2018 |
| Zink | Zink könnte eine Erkältung um etwa zwei Tage verkürzen; die Evidenz ist niedrig. Zur Vorbeugung kein klarer Nutzen. Nebenwirkungen wie Übelkeit und schlechter Geschmack. | Unklar | Cochrane, Nault et al., 2024 |
| Vitamin C (regelmäßig) | Regelmäßige Einnahme senkte die Zahl der Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung nicht. Die Dauer verkürzte sich bei Erwachsenen um 8 Prozent, bei Kindern um 14 Prozent. | Unklar | Cochrane, Hemilä und Chalker, 2013 |
| Vitamin C (erst bei Beginn) | Hohe Dosen erst nach Beginn der Beschwerden zeigten keinen einheitlichen Effekt auf Dauer oder Schwere. | Nicht belegt | Cochrane, Hemilä und Chalker, 2013 |
Ruhe und Schonung: sinnvoll, aber nicht untersucht
Dass man sich bei einer Erkältung schonen sollte, klingt selbstverständlich. Kontrollierte Studien dazu gibt es aber praktisch nicht, weil sich Bettruhe schwer mit einem Placebo vergleichen lässt. Gesundheitsbehörden empfehlen Ruhe trotzdem, der britische NHS etwa nennt „plenty of rest“ als ersten Punkt der Selbstbehandlung. Das ist eine plausible Empfehlung, kein Studienergebnis. Bei Fieber gilt zusätzlich: kein Sport, bis die Beschwerden abgeklungen sind.
Viel trinken: weniger klar als gedacht
Der Rat, bei Erkältung viel zu trinken, gehört zu den häufigsten überhaupt. Ein Cochrane-Review, zuletzt aktualisiert 2021, fand jedoch keine randomisierten Studien, die für oder gegen diese Empfehlung sprechen. Die Autorinnen und Autoren weisen auf ein mögliches Risiko hin: Sehr große Trinkmengen können die Natriumkonzentration im Blut senken, was zu Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Krampfanfällen führen kann. Beobachtungsstudien deuten an, dass das vor allem bei Infekten der unteren Atemwege eine Rolle spielt.
Praktisch heißt das: Trinken Sie nach Durst und so viel, dass Sie nicht austrocknen, besonders bei Fieber. Eine „je mehr, desto besser“-Regel gibt es nicht. Bei Säuglingen und Kleinkindern, die schlecht trinken, ist das ein Warnzeichen für den Arztbesuch.
Inhalieren: kein nachgewiesener Nutzen, bei Kindern ein Risiko
Das Cochrane-Review von 2017 zu warmer, feuchter Luft fand in sechs Studien keinen Nutzen und keinen Schaden für die Erkältung selbst. Die Studien untersuchten allerdings überwiegend ein spezielles Gerät, nicht die klassische Schüssel mit heißem Wasser. Viele Menschen empfinden das Inhalieren als angenehm, und das ist ein legitimer Grund, es zu tun.
Bei Kindern ist Vorsicht geboten. Kinderchirurginnen und -chirurgen in der Schweiz berichteten im Winter 2022, dass sie mehr als doppelt so viele Kinder mit Verbrühungen durch Inhalationswasser behandelten wie sonst, oft mit tiefen Verletzungen. Ein Lungenfacharzt sagte dazu im SRF: „Die Abwägung von Risiko und Nutzen spricht klar dagegen.“ Lassen Sie Kinder deshalb nie über einer Schüssel mit heißem Wasser inhalieren.
Honig: der am besten belegte Klassiker, aber nicht für Babys
Für Honig bei Husten von Kindern gibt es die stärksten Hinweise in dieser Liste. Das Cochrane-Review von 2018 schloss Kinder von 12 Monaten bis 18 Jahren ein. Honig verringerte die Hustenhäufigkeit wahrscheinlich etwas stärker als keine Behandlung oder Placebo; über bis zu drei Tage schnitt er wahrscheinlich besser ab als Placebo. Insgesamt fanden die Autoren aber nur Evidenz niedriger bis moderater Qualität und schreiben, es gebe keine starke Evidenz für oder gegen Honig.
Wichtig: Säuglinge unter 12 Monaten dürfen keinen Honig bekommen. Honig kann Bakterien enthalten, gegen die das Immunsystem von Babys noch nicht gewappnet ist und die Lähmungen auslösen können. Darauf weist auch Cochrane ausdrücklich hin. Honig ist für ältere Kinder und Erwachsene ein Lebensmittel, kein Arzneimittel.
Zink: kleiner Effekt, unsichere Daten
Das Cochrane-Review zu Zink von 2024 kam zu dem Ergebnis, dass Zink eine Erkältung möglicherweise um etwa zwei Tage verkürzt, ausgehend von rund einer Woche mit Placebo. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist niedrig: Die Studien unterschieden sich stark in Zinkform, Dosis und Messung. Zur Vorbeugung zeigte sich kein klarer Nutzen. Als Nebenwirkungen nennt das Review Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und unangenehmen Geschmack. Der Seniorautor fasste es so zusammen, dass die Evidenz zu Zink „far from settled“ sei, also längst nicht geklärt. Wer Zink nehmen möchte, bespricht das in der Apotheke, besonders bei Dauermedikation.
Vitamin C: regelmäßig ein wenig, akut kaum
Vitamin C ist das wohl am besten untersuchte Mittel in dieser Liste. Das Cochrane-Review von 2013 wertete für die Vorbeugung 29 Vergleiche mit über 11.000 Teilnehmenden aus: Regelmäßiges Vitamin C senkte die Zahl der Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung nicht. Bei regelmäßiger Einnahme verkürzte sich die Dauer bei Erwachsenen um 8 Prozent und bei Kindern um 14 Prozent. Bei einer Erkältung von sieben Tagen entspricht das bei Erwachsenen etwa einem halben Tag. Wer erst bei den ersten Beschwerden hoch dosiert Vitamin C nimmt, kann laut Review nicht mit einem einheitlichen Effekt rechnen.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Hausmittel sind für eine unkomplizierte Erkältung gedacht. Bei Warnzeichen brauchen Sie ärztlichen Rat. Das BMG-Gesundheitsportal nennt hohes Fieber, starke oder sich verschlimmernde Beschwerden, Brustschmerzen, Luftnot oder Atembeschwerden, besonders bei chronischen Atemwegserkrankungen. Der NHS ergänzt Fieber, das länger als drei Tage anhält, Beschwerden, die sich nach zehn Tagen nicht bessern, und Husten, der länger als drei Wochen dauert.
Bei Kindern gelten strengere Grenzen. Laut gesund.bund.de ist bei Babys unter drei Monaten bereits Fieber ab 38 °C ein Grund für den Arztbesuch, bei älteren Kindern Fieber über 39 °C oder länger als drei Tage. Weitere Warnzeichen sind Trinkverweigerung, Zeichen von Austrocknung, Teilnahmslosigkeit, Nackensteife und Hautausschlag. Notfallnummern: Rettungsdienst 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117. Was Sie für solche Fälle zu Hause bereithalten sollten, steht in der Hausapotheke-Checkliste.
Häufige Fragen
Häufige Fragen
Welches Hausmittel bei Erkältung ist am besten belegt?
Am besten untersucht ist Honig bei Husten von Kindern ab einem Jahr: Ein Cochrane-Review fand mit moderater Vertrauenswürdigkeit, dass er die Hustenhäufigkeit etwas verringert. Säuglinge unter zwölf Monaten dürfen keinen Honig bekommen.
Bringt Vitamin C bei Erkältung etwas?
Regelmäßig eingenommen verkürzte Vitamin C in Studien die Dauer von Erkältungen leicht, bei Erwachsenen um etwa 8 Prozent. Weniger Erkältungen gab es in der Allgemeinbevölkerung nicht. Erst bei Beginn der Beschwerden eingenommen zeigte sich kein einheitlicher Effekt.
Ist Inhalieren bei Erkältung sinnvoll?
Ein Cochrane-Review fand für warme, feuchte Luft weder Nutzen noch Schaden. Wer es als angenehm empfindet, kann inhalieren. Kinder sollten wegen der Verbrühungsgefahr nicht über heißem Wasser inhalieren.
Quellen
- Oduwole O, Udoh EE, Oyo-Ita A, Meremikwu MM: Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, Issue 4, CD007094 (veröffentlicht 10.04.2018). cochrane.org
- Singh M, Singh M, Jaiswal N, Chauhan A: Heated, humidified air for the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, CD001728 (veröffentlicht 29.08.2017). cochrane.org
- Guppy MPB, Mickan SM, Del Mar CB, Thorning S, Rack A: Advising patients to increase fluid intake for treating acute respiratory infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue 11, CD004419. cochrane.org
- Nault D et al.: Zinc for prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2024; Zusammenfassung Cochrane Dänemark vom 09.05.2024. cochrane.dk
- Hemilä H, Chalker E: Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 1, CD000980 (veröffentlicht 31.01.2013). cochrane.org
- gesund.bund.de (BMG): Erkältung, Stand 28.11.2024 (Dauer, Husten, Antibiotika, Warnzeichen). gesund.bund.de
- gesund.bund.de (BMG): Fieber bei Kindern, Stand 15.12.2023. gesund.bund.de
- NHS: Common cold, zuletzt geprüft 22.03.2024 (Ruhe, Trinken, Warnzeichen). nhs.uk
- SRF News: Verbrühungen mit Wasser – Kinderärzte schlagen Alarm, 27.12.2022. srf.ch
- NHMRC (Australien): Statement on Homeopathy, 2015. nhmrc.gov.au
MV-Versand Taschenapotheke Klassik, Leder, mit 64 Gläsern
Große Leder-Taschenapotheke als Komplettset mit 64 Klargläsern, bereit zum Befüllen.
- Leder
- 64 Klargläser im Lieferumfang
- 18,5 × 13,5 × 2,5 cm
* Affiliate-Link. Werbehinweis
Ebenfalls gefragt
Anzeige






