Mit Kindern zu verreisen heißt: mehr Gepäck, mehr Planung und eine Reiseapotheke, die anders aussieht als die für Erwachsene. Kinder werden unterwegs häufiger krank, sie vertragen Hitze schlechter, und viele Arzneimittel sind erst ab einem bestimmten Alter zugelassen. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Reiseapotheke mit Kindern sinnvoll zusammenstellen, was je nach Alter wichtig ist und worauf Sie bei Sonne, Hitze und Flug achten. Eine ausführliche Packliste in Tabellenform finden Sie in unserer Reiseapotheke-Checkliste.
Inhalt
- Warum sollte ich die Reiseapotheke mit der Kinderarztpraxis abstimmen?
- Was gehört in die Reiseapotheke für Kinder?
- Welche Unterschiede gibt es nach Alter?
- Wie schütze ich mein Kind vor Sonne und Hitze?
- Was muss ich beim Fliegen mit Kindern beachten?
- Wann muss ich unterwegs mit meinem Kind zum Arzt?
- Wie bewahre ich die Reiseapotheke unterwegs kindersicher auf?
- Häufige Fragen
- Häufige Fragen
- Quellen
Warum sollte ich die Reiseapotheke mit der Kinderarztpraxis abstimmen?
Viele Arzneimittel für Erwachsene sind für Kinder nicht geeignet. Darauf weist das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums ausdrücklich hin. Hinzu kommt, dass Dosierungen bei Kindern meist nach Alter oder Körpergewicht berechnet werden und manche Wirkstoffe erst ab einem bestimmten Alter zugelassen sind. Der ADAC nennt in seiner Übersicht zur Reiseapotheke für Kinder mehrere Beispiele, bei denen Mittel für Babys und Kleinkinder nur nach ärztlicher Absprache in Frage kommen.
Ein guter Zeitpunkt für das Gespräch ist ein ohnehin geplanter Termin vor dem Urlaub, etwa eine Vorsorgeuntersuchung. Nehmen Sie eine Liste mit: Wohin geht die Reise, wie lange, mit welchem Verkehrsmittel, und welche Mittel haben Sie schon zu Hause? Typische Fragen für die Praxis sind:
- Welche Mittel bei Fieber und Schmerzen passen zum Alter und Gewicht meines Kindes, und in welcher Darreichungsform?
- Was tun wir bei Durchfall, und wie viel Elektrolytlösung sollten wir einpacken?
- Braucht unser Kind für das Reiseziel Impfungen oder einen besonderen Mückenschutz?
- Ist das Kind bei einer bestehenden Erkrankung, etwa einer Ohrentzündung, flugtauglich?
- Wie passen wir eine Dauermedikation an, wenn sich die Zeitzone ändert?
Das CRM Centrum für Reisemedizin empfiehlt zusätzlich, nach Ersatzpräparaten und deren Handelsnamen im Reiseland zu fragen. Wenn ein Mittel verloren geht, können Sie es vor Ort leichter nachkaufen.
Was gehört in die Reiseapotheke für Kinder?
Das CRM hat eine eigene Checkliste für Kinder veröffentlicht. Sie gliedert den Inhalt in Grundausstattung, Mittel für typische Beschwerden, Erste Hilfe bei Verletzungen, Sonnen- und Insektenschutz und, für Länder mit niedrigem Hygienestandard, Wasserdesinfektion. Die wichtigsten Kategorien:
- Grundausstattung: Fieberthermometer und, falls nötig, die Dauermedikation des Kindes.
- Verletzungen: Kinderpflaster, Verbandmaterial, nicht brennendes Wunddesinfektionsmittel, Splitterpinzette, die sich laut CRM auch zum Entfernen von Zecken eignet.
- Sonnen- und Insektenschutz: Sonnencreme für Kinder, Sonnenhut, Mückenschutz mit passender Altersfreigabe.
- Mittel nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis: etwa bei Fieber und Schmerzen, bei Durchfall, bei Übelkeit und Reisekrankheit, bei Schnupfen, dazu Elektrolytlösung.
Bei wichtigen Dauermedikamenten rät das CRM zu etwa einem Drittel mehr als dem üblichen Bedarf für die Reisedauer, möglichst zur Hälfte im Handgepäck. Für die Ordnung im Gepäck vergleichen wir leere Medikamententaschen und gefüllte Sets unter Reiseapotheke-Taschen.
Welche Unterschiede gibt es nach Alter?
Ein Säugling braucht eine andere Reiseapotheke als ein Schulkind. Die folgende Übersicht fasst Hinweise aus den genannten Quellen zusammen. Sie ersetzt nicht das Gespräch in der Kinderarztpraxis.
| Alter | Worauf es ankommt | Quelle |
|---|---|---|
| Säuglinge in den ersten Wochen | Flugreisen nur in Ausnahmefällen; keine direkte Sonne; Fieber ab 38 °C bei Babys unter drei Monaten ist ein Grund für den Arztbesuch | BVKJ, BZgA, gesund.bund.de |
| Babys im ersten Lebensjahr | Keine direkte Sonne; Kochsalz-Nasentropfen für freie Nasenatmung beim Fliegen; kein Honig, weil darin Bakterien vorkommen können, die bei Säuglingen gefährlich sind | BZgA, TK, Cochrane |
| Kleinkinder | Volle Sonne bis zum Vorschulalter meiden; Mückenschutz nur mit Altersfreigabe; Zäpfchen bei Hitze durch Säfte ersetzen | BZgA, CRM |
| Schulkinder | Reisekrankheit ist zwischen 2 und 12 Jahren am häufigsten; Druckausgleich beim Fliegen gelingt meist selbst, Kauen oder Lutschen unterstützt | ADAC, TK |
Gerade bei den Jüngsten gilt: Viele Mittel aus der Reiseapotheke der Eltern sind tabu. Lesen Sie bei jedem Präparat die Altersangabe im Beipackzettel und fragen Sie im Zweifel in der Praxis oder Apotheke nach.
Wie schütze ich mein Kind vor Sonne und Hitze?
Kinderhaut ist dünner und empfindlicher als die von Erwachsenen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt auf kindergesundheit-info.de, dass Babys noch gar keine direkte Sonne abbekommen und Kinder bis zum Vorschulalter volle Sonne meiden. Für alle Kinder gelten diese Grundregeln:
- Mittagssonne meiden: Die BZgA rät, zwischen 11 und 15 Uhr nicht in der Sonne zu spielen.
- Kleidung zuerst: Sonnenhut mit Krempe und Nackenschutz, locker sitzende lange Kleidung, Schuhe, die den Fußrücken bedecken.
- Sonnencreme ergänzend: Die BZgA nennt mindestens Lichtschutzfaktor 20 für unbedeckte Haut; nach dem Baden erneut auftragen. Der ADAC empfiehlt für Kinder mindestens LSF 30.
- Bewölkung unterschätzen: Auch an bewölkten Tagen erreichen laut BZgA bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung die Haut.
Hitze betrifft auch die Reiseapotheke selbst. Das CRM rät, bei südlichen Reisezielen ohne sichere Kühlung keine Zäpfchen mitzunehmen, sondern Säfte oder Tropfen, weil Zäpfchen bei Hitze weich werden. Einige Wirkstoffe können bei Temperaturen über 40 °C beeinträchtigt werden. Lassen Sie die Reiseapotheke deshalb nie im geparkten Auto liegen.
Was muss ich beim Fliegen mit Kindern beachten?
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät, mit Säuglingen in den ersten Lebenswochen nur in Ausnahmefällen zu fliegen. Als Gründe nennt der Verband im Deutschen Ärzteblatt die geringere Sauerstoffsättigung in der Kabine, die womöglich noch nicht ausgereifte Lunge und den Druckausgleich, der bei kleinen Kindern über die Ohrtrompete noch nicht so funktioniert wie bei Erwachsenen. Im Extremfall kann es zu einer Verletzung des Trommelfells kommen. Kinder mit chronischen Herz- oder Lungenproblemen oder einem Atemwegsinfekt sollten nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis fliegen.
Für den Druckausgleich bei Start und Landung gibt die Techniker Krankenkasse praktische Hinweise:
- Babys hilft das Saugen: Schnuller, Flasche oder Stillen.
- Weil Babys in den ersten Monaten fast nur durch die Nase atmen, gehören Kochsalz-Nasentropfen ins Handgepäck.
- Größere Kinder bekommen etwas zum Kauen oder Lutschen.
- An Bord ausreichend trinken; die TK nennt als Faustregel für Passagiere 150 Milliliter pro Flugstunde.
Im Handgepäck gilt die 100-ml-Regel für Flüssigkeiten laut EU-Portal „Your Europe“ nicht für Medikamente und Babynahrung. Kühlpflichtige Mittel transportieren Sie in einer Kühltasche mit Akku.
Wann muss ich unterwegs mit meinem Kind zum Arzt?
Die Reiseapotheke ist für Kleinigkeiten da. Bei Warnzeichen brauchen Kinder schnell ärztliche Hilfe, auch im Urlaub. Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums nennt für Fieber bei Kindern unter anderem diese Gründe für einen Arztbesuch:
- Fieber über 39 °C, bei Säuglingen über 38 °C, bei Babys unter drei Monaten ab 38 °C,
- Fieber, das länger als drei Tage dauert oder immer wiederkommt,
- ein Fieberkrampf,
- wenn das Kind nicht oder lange nicht trinkt oder Zeichen von Austrocknung zeigt, etwa trockene Lippen, eingesunkene Augen oder keine Tränen,
- Nackensteife, Teilnahmslosigkeit, Unruhe oder Verwirrtheit,
- Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen oder ein Hautausschlag.
Informieren Sie sich vor der Abreise, wo die nächste Kinderarztpraxis oder Klinik am Urlaubsort liegt und welche Notrufnummer dort gilt. In der EU erreichen Sie den Notruf unter 112. Eine Auslandskrankenversicherung, die auch die Kinder einschließt, gehört zur Reisevorbereitung dazu.
Wie bewahre ich die Reiseapotheke unterwegs kindersicher auf?
Zu Hause steht die Hausapotheke meist an einem festen, sicheren Ort. Im Hotelzimmer oder in der Ferienwohnung fehlt diese Ordnung. Das CRM erinnert daran, die Reiseapotheke während der Reise und am Zielort kindersicher aufzubewahren. Praktisch heißt das: Taschen mit Medikamenten hoch und außer Reichweite verstauen, nichts auf Nachttischen liegen lassen und angebrochene Packungen sofort wieder verschließen. Für zu Hause gelten dieselben Regeln: ein fester, für Kinder unerreichbarer Platz, am besten verschließbar.
Häufige Fragen
Häufige Fragen
Was gehört in die Reiseapotheke für Kinder?
Fieberthermometer, Kinderpflaster, Verbandmaterial, nicht brennendes Wunddesinfektionsmittel, Pinzette, Sonnen- und Insektenschutz für Kinder, Dauermedikation mit Reserve und Mittel, die Sie mit der Kinderarztpraxis abgestimmt haben, etwa bei Fieber, Durchfall oder Übelkeit, dazu Elektrolytlösung.
Darf ich mit einem Baby fliegen?
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät, mit Säuglingen in den ersten Lebenswochen nur in Ausnahmefällen zu fliegen. Bei älteren Babys helfen Saugen und Kochsalz-Nasentropfen beim Druckausgleich. Bei Infekten oder chronischen Erkrankungen fragen Sie vorher in der Kinderarztpraxis.
Warum Säfte statt Zäpfchen im Sommerurlaub?
Zäpfchen werden bei Hitze weich und lassen sich dann kaum noch verwenden. Das CRM Centrum für Reisemedizin rät deshalb, bei warmen Reisezielen ohne sichere Kühlung Säfte oder Tropfen mitzunehmen.
Quellen
- CRM Centrum für Reisemedizin: Checkliste Reiseapotheke für Kinder (Kategorien, Ersatzpräparate, Zäpfchen bei Hitze, über 40 °C, Reserve, Handgepäck, kindersichere Aufbewahrung), über BKK VerbundPlus. bkk-verbundplus.de (PDF)
- gesund.bund.de (BMG): Hausapotheke, Stand 05.01.2026 (Erwachsenenpräparate für Kinder oft ungeeignet). gesund.bund.de
- gesund.bund.de (BMG): Fieber bei Kindern, Stand 15.12.2023 (Temperaturgrenzen, Warnzeichen). gesund.bund.de
- BZgA / kindergesundheit-info.de: Sonnenschutz für Kinder, Stand Januar 2015 (keine direkte Sonne für Babys, Vorschulalter, 11 bis 15 Uhr, LSF 20, 80 % UV bei Bewölkung). kindergesundheit-info.de (PDF)
- ADAC: Was gehört in die Reiseapotheke für Babys und Kinder? (Altersgrenzen, ärztliche Absprache, LSF 30, Reisekrankheit 2 bis 12 Jahre). adac.de
- Deutsches Ärzteblatt: Kinderärzte raten von Flugreisen mit Neugeborenen ab, 17.08.2018 (BVKJ). aerzteblatt.de
- Techniker Krankenkasse: So gelingt der Druckausgleich im Flugzeug (Babys, größere Kinder, Trinkmenge). tk.de
- Cochrane: Honey for acute cough in children, 10.04.2018 (Hinweis zu Säuglingen bis 12 Monate). cochrane.org
- Europäische Union, Your Europe: Einschränkungen für Handgepäck (Ausnahme für Medikamente und Babynahrung). europa.eu
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