Staphisagria gehört zu den Mitteln, die in homöopathischen Ratgebern oft im Zusammenhang mit Wut, Kränkung und unterdrückten Gefühlen genannt werden. Im Netz kursieren dazu viele Behauptungen, und manche Quellen verwechseln sogar die Pflanze. Dieser Beitrag erklärt sachlich, woraus das Mittel hergestellt wird, was die Bezeichnung D12 bedeutet, was die Lehre beschreibt und was die Forschung dazu sagt. Nutzerberichte geben wir bewusst nicht wieder, weil sie über die Wirkung eines Mittels nichts Verlässliches aussagen.
Inhalt
Woraus wird Staphisagria hergestellt?
Ausgangspflanze ist das Stephanskraut. Der botanische Name lautet heute Staphisagria macrosperma, bekannter ist das Synonym Delphinium staphisagria. Die Pflanze gehört zu den Hahnenfußgewächsen und ist mit dem Rittersporn verwandt. Mit Schlafmohn, wie manchmal zu lesen ist, hat sie nichts zu tun. Das Stephanskraut wächst an trockenen, steinigen Hängen, auf Kalkfelsen und in der Macchie Südeuropas, Nordafrikas, der Kanaren und Westasiens.
Eine giftige Pflanze
Die Pflanze ist giftig, besonders die Samen. Sie enthalten vor allem das Alkaloid Delphinin, das dem Aconitin aus dem Eisenhut ähnelt. In tödlichen Mengen führt Delphinin zu Krämpfen, Lähmung, Atemlähmung und Herzstillstand. In der Antike wurden die Samen äußerlich gegen Läuse und bei juckenden Hautkrankheiten verwendet. Diese Anwendung wurde später aufgegeben. Das Homöopathikum wird aus den getrockneten, reifen Samen hergestellt. Samuel Hahnemann führte die erste homöopathische Arzneimittelprüfung mit Staphisagria durch.
Was bedeutet die Potenz D12?
Das „D“ steht für Dezimalpotenz. Bei jedem Schritt wird der Ausgangsstoff im Verhältnis 1:10 verdünnt und verschüttelt oder verrieben. Die Zahl gibt die Anzahl der Schritte an. Bei D12 wurde also zwölfmal im Verhältnis 1:10 verdünnt. Weitere Grundlagen erklärt unser Glossar unter D-Potenz.
| Potenz | Verdünnungsschritte | Anteil des Ausgangsstoffs |
|---|---|---|
| D1 | 1 × 1:10 | 1 Zehntel |
| D6 | 6 × 1:10 | 1 Millionstel |
| D12 | 12 × 1:10 | 1 Billionstel |
| C30 | 30 × 1:100 | 1 : 1060, rechnerisch kein Molekül mehr |
Die homöopathische Lehre geht davon aus, dass die Wirkung durch das Potenzieren zunimmt. Das ist naturwissenschaftlich nicht belegbar. Eigene Verdünnungen können Sie mit unserem Potenz-Rechner nachvollziehen. Wie sich D6 und D12 in der Praxis der Homöopathie unterscheiden, lesen Sie im Beitrag D6 oder D12.
Was ordnet die homöopathische Lehre Staphisagria zu?
Die Materia medica von William Boericke, ein klassisches Nachschlagewerk der Homöopathie, beschreibt das Arzneimittelbild ausführlich. Die folgende Übersicht gibt diese Lehre wieder, keine nachgewiesene Wirkung:
| Bereich | Beschreibung in der Lehre (Boericke) |
|---|---|
| Gemüt | heftige Gefühlsausbrüche, große Empfindlichkeit gegenüber dem, was andere sagen; Beschwerden nach Ärger, Entrüstung, Kummer und Kränkung |
| Verletzungen | Schnitt- und Risswunden, Schmerzen nach Bauchoperationen, Beschwerden nach Zahnziehen |
| Augen | wiederkehrende Gerstenkörner |
| Blase | Reizblase, Gefühl unvollständiger Entleerung, Brennen beim Wasserlassen |
In der Praxis der klassischen Homöopathie wird Staphisagria nicht nach einem einzelnen Symptom gewählt, sondern nach dem Gesamtbild aus der Anamnese. Eine Potenz- oder Dosierempfehlung für Wut, Kränkung oder andere Beschwerden geben wir nicht. Im Umfeld von Operationen wird das Mittel ebenfalls genannt; was vor einem Eingriff wirklich zählt, lesen Sie unter Globuli vor der OP.
Was zeigt die Studienlage?
Hochwertige kontrollierte Studien, die eine Wirkung von Staphisagria über Placebo zeigen, sind uns nicht bekannt. Übersichtsarbeiten zu Homöopathie bei seelischen Beschwerden fanden nur wenige randomisierte Studien: zu Depression zwei, zu Angst und Angststörungen acht. Die Ergebnisse waren begrenzt oder widersprüchlich und erlaubten keine sicheren Schlüsse. Positive Berichte stammten vor allem aus Beobachtungen ohne Kontrollgruppe. Der australische Forschungsrat NHMRC fand für keine Erkrankung verlässliche Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie.
Warum Einzelberichte trotzdem oft positiv klingen, hat einfache Gründe: Gefühle wie Wut oder Kränkung schwächen sich mit der Zeit häufig von selbst ab, und Zuwendung und Erwartung beeinflussen das Befinden.
Wann brauchen Wut und Kränkung fachliche Hilfe?
Ärger nach einer Kränkung ist eine normale Reaktion. Hilfe ist sinnvoll, wenn die Gefühle über Wochen anhalten, den Alltag oder Beziehungen belasten, wenn Sie Ihren Ärger nicht mehr steuern können oder wenn Niedergeschlagenheit und Schlafprobleme dazukommen. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, die an Psychotherapie vermitteln kann. In einer Krise erreichen Sie die TelefonSeelsorge kostenlos, anonym und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Mehr dazu im Überblick Globuli und Psyche.
Was Sie im Moment des Ärgers tun können
Hilfreich ist, Abstand zu gewinnen, bevor Sie reagieren: den Raum verlassen, langsam ausatmen oder eine Runde um den Block gehen. Bewegung baut Anspannung ab. Sprechen Sie eine Kränkung später in Ruhe an, möglichst in Ich-Botschaften. Wer merkt, dass sich Groll über Monate festsetzt, kann in einer Psychotherapie lernen, mit Ärger und Kränkung anders umzugehen.
Was gilt bei der Anwendung?
- Lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie in der Apotheke, vor allem bei Kindern, in Schwangerschaft und Stillzeit.
- Registrierte homöopathische Mittel tragen kein Anwendungsgebiet auf der Packung. Ob ein Präparat apothekenpflichtig ist, steht auf der Verpackung.
- Setzen Sie verordnete Medikamente nicht zugunsten von Globuli ab.
Und Bachblüten?
Edward Bach ordnete die Blüte Holly Gefühlen wie Hass, Neid und Eifersucht zu und Willow Groll und Verbitterung. Eine Übersichtsarbeit von Edzard Ernst fand in den verlässlichsten Studien keinen Unterschied zwischen Blütenmitteln und Placebo.
Die Lehre zum Nachschlagen
Wer Arzneimittelbilder wie das von Staphisagria nachlesen möchte, findet sie in einem Nachschlagewerk. Es gibt die Lehrmeinung wieder, keine Studienergebnisse.
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Häufige Fragen
Ist Staphisagria Schlafmohn?
Nein. Staphisagria stammt vom Stephanskraut, einem Hahnenfußgewächs, das mit dem Rittersporn verwandt ist. Schlafmohn ist eine ganz andere Pflanze.
Ist Stephanskraut giftig?
Ja. Vor allem die Samen enthalten das giftige Alkaloid Delphinin. Für das Homöopathikum werden sie stark verdünnt; bei D12 beträgt der Anteil rechnerisch ein Billionstel.
Was ist der Unterschied zwischen Staphisagria D12 und C30?
D12 wurde zwölfmal 1:10 verdünnt, C30 dreißigmal 1:100. In C30 ist rechnerisch kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr enthalten. Eine unterschiedliche Wirkung ist nicht belegt.
Gibt es Studien zu Staphisagria bei Wut?
Belastbare kontrollierte Studien mit einem Nachweis über Placebo sind uns nicht bekannt. Die Zuordnung beruht auf der homöopathischen Lehre.
Wer hat Staphisagria in die Homöopathie eingeführt?
Samuel Hahnemann führte die erste homöopathische Prüfung des Mittels durch. Spätere Werke wie Boerickes Materia medica bauten das Arzneimittelbild aus.
Warum wird ein giftiger Stoff überhaupt verwendet?
Nach dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie soll ein Stoff, der bei Gesunden bestimmte Beschwerden auslöst, in potenzierter Form bei ähnlichen Beschwerden eingesetzt werden. Deshalb stammen viele Ausgangsstoffe von Giftpflanzen. Belegt ist dieses Prinzip nicht.
Quellen
- Wikipedia: Stephanskraut (Staphisagria macrosperma, Synonym Delphinium staphisagria) – Familie, Verbreitung, Giftigkeit, Delphinin, Geschichte, Homöopathie (Prüfung durch Hahnemann 1819). de.wikipedia.org
- Boericke W: Homoeopathic Materia Medica, Staphysagria. materiamedica.info
- aponet.de: Homöopathie – was Globuli, Potenzen und das Ähnlichkeitsprinzip bedeuten. aponet.de
- Pilkington K, Kirkwood G, Rampes H, Fisher P, Richardson J: Homeopathy for depression: a systematic review of the research evidence. Homeopathy 2005; 94(3): 153–163. researchportal.plymouth.ac.uk
- Pilkington K, Kirkwood G, Rampes H, Fisher P, Richardson J: Homeopathy for anxiety and anxiety disorders: a systematic review of the research. Homeopathy 2006; 95(3): 151–162. researchportal.plymouth.ac.uk
- NHMRC: Information paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions, 2015. apo.org.au
- TelefonSeelsorge Deutschland. telefonseelsorge.de
- Ernst E: Bach flower remedies: a systematic review of randomised clinical trials. Swiss Medical Weekly 2010; 140: w13079. smw.ch
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